Die Eierregale in deutschen Supermärkten zeigen sich kurz vor Ostern ungewohnt lückenhaft. Kunden finden eine eingeschränkte Auswahl, und einzelne Eiersorten fehlen mitunter vollständig. Die Branche bezeichnet die Lage als „angespannt, aber stabil“, während Experten von einer klaren „Eierknappheit“ sprechen, wenn auch keinem Notstand. Die hohe saisonale Nachfrage zu Ostern verschärft die Situation zusätzlich und lässt die Lücken in den Regalen deutlicher hervortreten.
Mehrere Faktoren tragen zu dieser angespannten Versorgungslage bei. Die klassische Vogelgrippe führte im vergangenen Jahr zur Keulung hunderttausender Tiere, deren Bestandsaufbau zeitintensiv ist. Aktuell breitet sich zudem die Newcastle-Krankheit auf Geflügelhöfen in Brandenburg und Bayern aus, was bereits zur vorsorglichen Tötung von rund 125.000 Tieren führte. Hinzu kommen saisonale Effekte, da Färbereien vor Ostern große Mengen Eier vom Markt abziehen. Auch strukturelle Veränderungen wie das Auslaufen der Kleingruppenhaltung bis Ende 2025 und steigende Produktionskosten durch höheren Mindestlohn, Mautgebühren und Energiekosten belasten die Erzeuger.
Die Auswirkungen der Knappheit sind unterschiedlich verteilt. Während der Lebensmittelhandel bevorzugt bedient wird, trifft es Gastronomie und verarbeitende Industrie stärker. Hier werden bereits Rezepturen angepasst und Eier eingespart, da die Beschaffung schwieriger geworden ist. Obwohl 2025 laut MEG 0,5 Prozent mehr Eier produziert wurden, überstieg die Nachfrage das Angebot deutlich. Dies schlägt sich in den Preisen nieder: Kosteten zehn Eier aus Bodenhaltung im Vorjahr durchschnittlich 2,02 Euro, liegen die günstigsten Packungen vielerorts heute bei 2,49 Euro.
Trotz steigender Preise zeigen sich Verbraucher laut Marktexperten wenig abgeschreckt, da Eier im Vergleich zu anderen Eiweißlieferanten immer noch als günstig gelten. Obwohl es keine gravierenden Engpässe gibt, bleibt der Markt knapp versorgt. Die Behörden mahnen zu erhöhter Aufmerksamkeit und strengen Hygienemaßnahmen, insbesondere wegen der Newcastle-Krankheit. Die Herausforderungen durch Krankheiten, gestiegene Kosten und eine anhaltend hohe Nachfrage werden die Eierversorgung auch über die Osterzeit hinaus prägen.

