Am zugefrorenen Tuusula-See nördlich von Helsinki testet das Team um Cybersecurity-Legende Mikko Hyppönen eine fortschrittliche Drohnenabwehr. Das System “Airfence 7” von Sensofusion, entwickelt unter dem Eindruck des Ukrainekriegs, zielt darauf ab, der ständigen Bedrohung durch Drohnenangriffe zu begegnen. Hyppönen, ein Quereinsteiger in die Rüstungsbranche, sieht es als seine Pflicht, seine langjährige Expertise in der Cybersicherheit für die moderne Verteidigung einzusetzen. Das System überwacht ein breites Spektrum an Funkverkehr, um diverse Drohnenmodelle – direkt aus Frontbeobachtungen in der Ukraine bekannt – sowie deren Piloten in Echtzeit zu erkennen und die Funkverbindung gezielt zu stören.
Die Störsender-Technologie greift dabei auf eine alte finnische Improvisationskunst zurück: Im Winterkrieg machten die Finnen sowjetische Fernminen unschädlich, indem sie die “Säkkijärvi-Polka” auf deren Funkfrequenz abspielten. “Was wir heute mit Jamming machen, ist dasselbe”, erklärt Hyppönen. Seine Karriere begann als junger Programmierer in den 80ern. Diese jahrzehntelange Erfahrung im “Katz-und-Maus-Spiel” gegen sich ständig entwickelnde Cyberbedrohungen, so Hyppönen, sei der entscheidende Vorteil im Wettlauf gegen die ebenso dynamische Drohnentechnologie.
Angesichts des Aufkommens von Glasfaserdrohnen, die immun gegen Funkstörungen sind, forscht Sensofusion an mehrschichtiger Abwehr. Dazu gehören Event-Kameras, die Bewegungen bei jedem Licht erfassen, sowie 3D-gedruckte Abfangdrohnen. Diese kleinen “Abfangjäger” erreichen Geschwindigkeiten von 350 km/h, um feindliche Drohnen wie russische Geran-Modelle kinetisch auszuschalten. Der Clou: Ihre Produktion per 3D-Druck kostet nur wenige hundert Euro, ermöglicht hohe Flexibilität und eine schnelle Anpassung an neue Bedrohungen. “Wir verkaufen keine Abwehrdrohnen. Wir verkaufen Abwehrdrohnenfabriken”, so Hyppönen.
Ein Prototyp dieser On-Demand-Drohnenfabrik – ein Container mit mehreren 3D-Druckern, der Hunderte von Abwehrdrohnen täglich produzieren kann – ist streng geheim. Diese modulare Lösung könnte ein Kernstück des von EU- und Nato-Staaten diskutierten “Drohnenwalls” an der europäischen Ostflanke werden. Für Mikko Hyppönen ist die Bedrohung durch das nahe Russland persönlich. Die Nachfrage nach Sensofusions “Airfence-7”-System, das 160.000 Euro pro Einheit kostet, ist enorm, und das Unternehmen bereitet seinen Börsengang vor, um Europas gestiegenem Sicherheitsbedarf gerecht zu werden.
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