Eine bedeutende Ära geht zu Ende: Schloss Meseberg, das über viele Jahre als offizielles Gästehaus der Bundesregierung diente, wird diese Rolle ab Februar 2027 nicht mehr innehaben. Die Bundesregierung und die Messerschmitt-Stiftung, Eigentümerin des Anwesens, haben sich darauf geeinigt, den Mietvertrag, der das Schloss für einen symbolischen Euro vermietete, auslaufen zu lassen. Regierungssprecher Stefan Kornelius bestätigte diese Entwicklung, die einen Wendepunkt in der Nutzung des historischen Anwesens in Brandenburg darstellt. Damit verliert die deutsche Politik einen ihrer symbolträchtigsten Versammlungsorte.
Die Entscheidung, sich von Schloss Meseberg als festem Gästehaus zu trennen, basiert auf mehreren praktischen Erwägungen. In jüngster Zeit sei das Schloss, so der Regierungssprecher, weniger intensiv genutzt worden als in früheren Perioden. Ein maßgeblicher Faktor hierfür ist die geografische Lage des Schlosses: Es liegt etwa 70 Kilometer nördlich der Hauptstadt, eine Entfernung, die für viele Regierungsgeschäfte und kurzfristige Treffen als hinderlich empfunden wurde. Darüber hinaus entfallen für das Kanzleramt künftig erhebliche Kosten für den Unterhalt, den Betrieb und die aufwendige Sicherung des Schlosses, was ebenfalls eine Rolle bei der strategischen Neuausrichtung spielte.
Seit 2007 war Schloss Meseberg eine feste Größe im politischen Kalender Deutschlands. Es diente häufig als idyllische Kulisse für Koalitionstreffen, bei denen Geschlossenheit, Einigkeit und gute Laune demonstriert werden sollten. Unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel war das Schloss nicht nur Schauplatz für Kabinettsklausuren, sondern empfing auch internationale Persönlichkeiten. So wurde beispielsweise dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush auf seiner letzten Deutschland-Reise die Ehre zuteil, in Meseberg empfangen zu werden. Auch das aktuelle Kabinett unter Kanzler Olaf Scholz nutzte das Schloss noch für seine Klausurtagungen und setzte damit die Tradition fort.
Eine direkte Nachfolge für Schloss Meseberg als zentrales Gästehaus ist derzeit nicht vorgesehen. Künftige Veranstaltungen der Bundesregierung sollen flexibel an verschiedenen Orten stattfinden. Bereits im vergangenen Herbst entschied sich Kanzler Friedrich Merz für einen Ortswechsel und lud zur ersten Kabinettsklausur in die Villa Borsig ein, das Gästehaus des Auswärtigen Amts am Tegeler See in Berlin. Alternativ steht ab Ende 2028 der Erweiterungsbau des Kanzleramts für größere Veranstaltungen zur Verfügung. Das im 18. Jahrhundert erbaute Schloss in Gransee wurde 1995 von der Messerschmitt-Stiftung gekauft und für 25 Millionen Euro saniert. Die Bundesregierung investierte 13 Millionen Euro in Sicherheitstechnik, als sie 2004 entschied, das Anwesen zu nutzen, das über drei Etagen und einen barocken Park verfügt.

