ACC (Automotive Cells Company), das Gemeinschaftsunternehmen von Stellantis, Mercedes-Benz und Total Energies, hat seine Pläne für eine Gigafactory für Batteriezellen in Kaiserslautern endgültig eingestellt. Das Vorhaben, einst als Leuchtturmprojekt für Elektromobilität “made in Germany” gefeiert, wurde bereits 2024 pausiert. Die Entscheidung bedeutet das Aus für eine milliardenschwere Investition in der rheinland-pfälzischen Stadt, die mit erheblichen Hoffnungen auf wirtschaftliche Impulse verbunden war. Der Standort Kaiserslautern, einst ein kriselnder Opel-Standort, sollte durch das Projekt massiv gestärkt werden, was auch durch umfangreiche staatliche Förderungen unterstrichen wurde.
Als Hauptgründe für den Rückzug nennt ACC die anhaltend schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa sowie den massiven Kurseinbruch beim Partner Stellantis. Der Konzern, der Marken wie Peugeot, Opel und Fiat unter seinem Dach vereint, hatte kürzlich Abschreibungen in Höhe von 22,2 Milliarden Euro bekannt gegeben und an der Börse einen beispiellosen Kurssturz erlebt. Das Projekt in Kaiserslautern war mit Fördermitteln des Bundes und des Landes in Höhe von rund 437 Millionen Euro unterstützt worden. Insgesamt waren Investitionen von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro geplant, die die Schaffung von etwa 2000 Arbeitsplätzen ermöglichen sollten. Das französische Partnerprojekt in Billy-Bercleau/Douvrin soll hingegen als “primärer Innovationshub” bestehen bleiben.
Das Scheitern des ACC-Projekts reiht sich ein in eine Serie von Rückschlägen für die Batteriezellproduktion in Deutschland. Zuvor hatte das schwedische Start-up Northvolt Schwierigkeiten beim Aufbau einer europäischen Fertigung und musste Insolvenz anmelden, trotz umfangreicher staatlicher Subventionen. Auch der schwäbische Sportwagenbauer Porsche hat unlängst das weitgehende Aus für sein Batterie-Tochterunternehmen Cellforce angekündigt. Die Gewerkschaft IG Metall äußerte scharfe Kritik an der Entscheidung von ACC. Jörg Köhlinger, IG-Metall-Bezirkschef in Frankfurt, bezeichnete das Vorgehen als “irrational und verantwortungslos”. Er betonte, dass Betriebsräte und IG Metall jahrelang für die Ansiedlung gekämpft und innovative tarifliche Regelungen getroffen hätten.
ACC will nun mit den Gewerkschaften über die Einstellung des Betriebs sprechen, ähnlich wie beim Partnerprojekt im italienischen Termoli. Aktuell waren laut SWR-Berichten, die sich auf den deutschen ACC-Betriebsrat berufen, zuletzt 90 Mitarbeiter mit dem Aufbau des Werks in Kaiserslautern betraut. Für diese Beschäftigten und die Region bedeutet der Rückzug eine herbe Enttäuschung und wirft Fragen über die Zukunft industrieller Großprojekte in Deutschland auf. Das Scheitern unterstreicht die Herausforderungen, mit denen sich die Elektromobilitätsbranche konfrontiert sieht, und sendet ein klares Signal über die Notwendigkeit robuster Geschäftsmodelle und einer stabilen Nachfrage.

