Am ersten Junisonntag 2025 ereignete sich ein Zwischenfall, der hunderte Bahnreisende betraf und die ehemalige DB-Führungskraft Britta Zur in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Ein IC auf der Fahrt von Sylt strandete in Heide (Schleswig-Holstein) mit über 300 Personen an Bord, da zu wenig Wasser für mögliche Notfälle verfügbar war. Unter den gestrandeten Passagieren befand sich auch Britta Zur, die frühere Chefin für Sicherheit der Deutschen Bahn, offenbar privat mit ihrer Familie unterwegs, wie die »Bild«-Zeitung berichtete. Die Situation erforderte von den Reisenden individuelle Lösungen für ihre Weiterfahrt.
Britta Zur entschied sich, mit ihrer Familie einen Nahverkehrszug nach Itzehoe zu nehmen. Dort, so schilderte sie es später selbst der »Bild«-Zeitung, wurden sie von einem Team der DB Sicherheit abgeholt und an den Stadtrand von Hamburg chauffiert. Von dort setzten sie ihre Reise mit der S-Bahn fort, um in Hamburg einen ICE nach Düsseldorf zu erreichen. Dieser ungewöhnliche Ablauf, insbesondere die Abholung durch ein DB Sicherheitsteam und die Nutzung eines mutmaßlichen Dienstfahrzeugs, rief interne Untersuchungen bei der Deutschen Bahn auf den Plan. Der Vorfall löste Diskussionen über die Zulässigkeit solcher Privatreisen aus.
Laut dem Bericht der »Bild« hatte die Fahrt im dienstlichen Fahrzeug Konsequenzen, da die Bahn den Vorfall offenbar von ihrer Compliance-Abteilung untersuchen ließ. Britta Zur selbst teilte der »Bild«-Zeitung mit, dass der Vorgang bahnintern untersucht worden sei und dabei keine Rechtsverstöße festgestellt wurden. Dennoch wurde im Bericht betont, dass Privatfahrten in Dienstwagen bei der Deutschen Bahn grundsätzlich nicht zulässig sind. Dieser Widerspruch zwischen Zurs Aussage und den internen Regeln der Bahn wirft Fragen hinsichtlich der Einhaltung von Unternehmensrichtlinien auf und unterstreicht die Sensibilität im Umgang mit Unternehmensressourcen.
Der Vorfall ereignete sich Monate nach Britta Zurs Ausscheiden aus ihrer Führungsposition. Im Oktober des vergangenen Jahres hatte Zur ihren Posten als Vorsitzende der Geschäftsführung der DB Sicherheit GmbH niedergelegt. Ein Sprecher der Bahn bestätigte dem SPIEGEL damals, dass Zur »auf eigenen Wunsch und im Einvernehmen ihr Mandat« beendet habe. Die Bahn bedauerte und respektierte ihren Entschluss gleichermaßen und dankte ihr für ihre erfolgreiche Tätigkeit. Der aktuelle Vorfall, trotz Zurs früherem Ausscheiden, wirft ein Schlaglicht auf die internen Abläufe und die Compliance-Kultur bei einem der größten deutschen Staatsunternehmen.

