Radprofi Juri Hollmann hat erstmals detailliert über seinen schweren Sturz beim Giro d’Italia 2023 gesprochen. Zehn Monate nach dem Horror-Unfall, bei dem er mit fast 70 km/h ungebremst mit einem Straßenschild kollidierte, enthüllt der 26-Jährige die erschütternden Details. Er erlitt einen Armbruch und einen Trümmerbruch des Beckens, wobei Ärzte vermuten, dass der Oberschenkelknochen sein Becken „gesprengt“ hat. Die Wahrscheinlichkeit, diesen Unfall zu überleben, sei nicht hoch gewesen, so Hollmann, der von Glück im Unglück spricht. Nach der ersten Operation am Arm wurde er in ein Spezialklinikum in Belgien verlegt.
Einen Tag später erlitt Hollmann aufgrund einer Thrombose eine lebensbedrohliche Lungenembolie, die einen Nottransfer ins Uniklinikum Antwerpen erforderlich machte. „Blutklumpen hatten die ganze Lunge zugesetzt. Das war ganz schön knapp“, berichtete der Berliner. Das Verrückte war, dass Operationen dort nicht unter Vollnarkose durchgeführt wurden und er den Schmerz von sich wegschieben konnte – ein Zustand, den Therapeuten später als klassische Nahtoderfahrung mit typischem Wärmegefühl trotz Schmerzen identifizierten.
Erst nach überstandener Embolie konnte das zertrümmerte Becken operiert werden, wofür vier Platten und 24 Schrauben notwendig waren. Fünf Wochen verbrachte Hollmann in Belgien, gefolgt von acht Wochen Reha in Berlin. Drei Monate war er auf einen Rollstuhl angewiesen, da sein Bein nervlich „tot“ war. Besonders skurril war eine Dopingkontrolle während der Reha, bei der er nach dreieinhalb Litern Blutverlust und Morphinpumpe „dreifach positiv“ hätte sein müssen. Hollmann empfand Mitleid für den Kontrolleur, der nur seinen Job machte.
Noch immer kämpft Juri Hollmann um seine Rückkehr in den Profisport, aktuell nur zwei Stunden Radfahren aufgrund von Nervenschäden möglich. Trotz des steinigen Weges und der unsicheren Zukunft bleibt er erstaunlich gefasst und positiv. „Wenn ich allerdings vollständig gesund werde und es trotzdem nicht zurückgeschafft habe, bin ich trotzdem happy“, zeigt Hollmann eine bemerkenswerte innere Stärke und Perspektive, die weit über den Sport hinausgeht.

