In einer bahnbrechenden Entdeckung haben Forschende in den abgelegenen Regenwäldern der Vogelkop-Halbinsel, Papua, zwei Beuteltierarten wiederentdeckt, die seit über 6000 Jahren als ausgestorben galten. Diese sensationelle Neuigkeit wurde im Fachmagazin »Records of the Australian Museum« veröffentlicht. Es handelt sich um sogenannte »Lazarus-Taxa« – ein Begriff für Arten, die wie aus dem Nichts wieder auftauchen. Bisher waren diese Spezies vor allem aus Fossilien in Australien und Neuguinea bekannt. Die lebendige Präsenz dieser Tiere unterstreicht die unerwartete Vielfalt und die noch ungelüfteten Geheimnisse in den unberührten Regionen der Erde.
Um die Existenz dieser totgeglaubten Arten zu belegen, werteten die Wissenschaftler eine Fülle von Daten aus: darunter wenige Fotos, eine Neubewertung einer falsch interpretierten Probe von 1992 und Fossilienfragmente. Von entscheidender Bedeutung war die enge Zusammenarbeit mit lokalen indigenen Gemeinschaften, deren Wissen und Beobachtungen unverzichtbar waren. Eine der wiederentdeckten Arten ist der Pygmy Long-fingered Possum (Dactylonax kambuayai), auf Deutsch Vogelkop-Streifenbeutler. Dieses auffällig gestreifte Beuteltier besitzt einen bemerkenswert langen Finger an jeder Hand, der doppelt so lang ist wie der nächstlängste. Es wird angenommen, dass diese Art während der Eiszeit aus Australien verschwand, wo viele andere Spezies ebenfalls ausstarben.
Die zweite wiederentdeckte Art ist der Ring-tailed Glider (Tous ayamaruensis). Er ist kleiner als seine australischen Verwandten, hat unbehaarte Ohren und einen stark greiffähigen Schwanz. Dieser Gleitbeutler führt lebenslange Paarbindungen und zieht pro Jahr nur etwa ein Junges auf. Da er hauptsächlich in Bäumen lebt, stellt die Abholzung in seinem Lebensraum eine ernste Bedrohung dar. Für die örtlichen indigenen Gemeinschaften besitzt dieses Tier eine tiefe kulturelle Bedeutung und wird von einigen Gruppen sogar als heilig angesehen, was seine Schutzwürdigkeit weiter unterstreicht.
Mitautorin Rika Korain betonte die Wichtigkeit der Kollaboration: „Wir haben sehr sorgfältig und eng mit den Ältesten von Tambrauw zusammengearbeitet. Ohne die Zusammenarbeit wäre die Identifizierung nicht möglich gewesen.“ Hauptautor Tim Flannery nannte die Entdeckung von gleich zwei seit Tausenden von Jahren als ausgestorben geglaubten Arten „bemerkenswert“. Die Ergebnisse unterstreichen die entscheidende Bedeutung des Naturschutzes in der Region. Flannery vermutet, dass die Vogelkop-Halbinsel, ein alter Teil des australischen Kontinents, noch weitere verborgene Relikte eines vergangenen Australiens beherbergen könnte. Diese spektakuläre Wiederentdeckung ist ein starkes Plädoyer für den Erhalt dieser einzigartigen Ökosysteme.

