Die Internationale Energieagentur (IEA) plant die größte Freigabe von Rohölreserven in ihrer Geschichte, um dem zunehmenden Preisdruck auf den globalen Energiemärkten entgegenzuwirken. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bestätigte, dass es sich dabei um eine Menge von bis zu 400 Millionen Barrel handeln könnte. Deutschland hat bereits signalisiert, dieser Aufforderung nachzukommen und einen Teil seiner nationalen Ölreserven freizugeben. Dies geschieht angesichts der stark gestiegenen Energiepreise, die als Folge des “Irankriegs” – hier als Krieg in Nahost interpretiert – entstanden sind. Die Ministerin betonte, dass die Lage im Bereich der Ölversorgung zwar angespannt sei, jedoch keine Knappheit bestehe.
Insider der Nachrichtenagentur Reuters, die mit den IEA-Diskussionen vertraut sind, berichteten, dass bereits im ersten Monat mehr als 100 Millionen Barrel freigegeben werden könnten. Die spanische Energieministerin Sara Aagesen hat den Vorschlag der IEA ausdrücklich unterstützt. Deutschland folgt mit seiner Zusage einer Bitte der IEA, da das Land als eines von über 30 Mitgliedsstaaten der Organisation eine wichtige Rolle spielt. Reiche sprach von einer Geste der “gegenseitigen Solidarität”, die insbesondere asiatischen IEA-Staaten zugutekomme. Deren Ölversorgung ist durch die Blockade der Straße von Hormus aktuell besonders kostspielig und schwierig geworden, was unter anderem Japan dazu veranlasst hatte, die Freigabe der Reserven zu fordern.
Bislang hatte Deutschland die Freigabe von Ölreserven eher kritisch gesehen, da im eigenen Land keine direkte Knappheit herrscht. Die IEA sehe jedoch einen Mechanismus der gegenseitigen Unterstützung vor, erklärte Reiche. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass die Freigabe eine “dämpfende Wirkung” auf den Ölpreis haben werde, da bereits Spekulationen des US-Präsidenten in den vergangenen Tagen den Markt beeinflusst hatten. Hinsichtlich der allgemeinen Energieversorgung in Deutschland, insbesondere des Gasmarktes, versuchte Reiche, Sorgen zu nehmen. Sie versicherte, dass die Versorgung gesichert sei und keine Mengenknappheit bestehe, räumte jedoch “erhebliche Preisausschläge sowie eine Volatilität an den Energiemärkten” ein.
Die IEA verpflichtet ihre Mitglieder, Ölbestände vorzuhalten, die mindestens 90 Tagen ihrer Netto-Importe entsprechen. Deutschland verfügte laut IEA-Zahlen im November des Vorjahres über 34,42 Millionen Tonnen Öl auf Vorrat. Ein Großteil dieser Rohölreserven ist vornehmlich in Norddeutschland gelagert, während Vorräte an Diesel, Benzin, Heizöl und Kerosin über das gesamte Bundesgebiet verteilt sind. Die nun ins Auge gefasste Freigabemenge von 400 Millionen Barrel ist fast doppelt so groß wie die Menge, die zu Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine im Jahr 2022 aus den Reserven freigegeben wurde. Es bleibt abzuwarten, welche tatsächlichen Auswirkungen diese Maßnahme auf den globalen Ölmarkt haben wird, da auch damals nicht die gesamte freigegebene Menge abgerufen wurde.

