Der frühere Immobilienmogul René Benko, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, scheint eine überraschende neue Berufsperspektive in Betracht zu ziehen: Er möchte offenbar eine Umschulung zum Tischler beginnen. Sein Anwalt Norbert Wess bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa einen entsprechenden Bericht des Magazins »Trend«. Nachdem Benko bis vor Kurzem intensiv mit der Bearbeitung seines Strafakts beschäftigt war, habe sich die Situation nun geändert. Da sein Mandant aktuell nicht mit weiteren Ermittlungssträngen befasst sei, ergebe sich die Möglichkeit, einer neuen Beschäftigung nachzugehen und so einen Zeitvertreib im Gefängnis zu finden. Diese Entwicklung wirft Fragen nach dem post-Haft-Leben des einstigen Wunderkinds der Immobilienwelt auf und ob er tatsächlich den Weg eines Handwerkers einschlagen wird.
Benkos Absturz begann mit der Insolvenz seiner Firmengruppe Signa, einem komplexen Immobilien- und Handelsimperium, das er aufgebaut hatte. Steigende Zinsen, explodierende Baukosten und risikoreiche Zukäufe, darunter die deutschen Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof, trieben das Konglomerat in den Ruin. Seit über einem Jahr befindet sich Benko wegen Betrugsverdachts im Zuge der Signa-Insolvenz in Untersuchungshaft. Er wurde bereits zweimal wegen des Verdachts der Schädigung seiner Gläubiger verurteilt, wobei beide Urteile des Landesgerichts Innsbruck noch nicht rechtskräftig sind. Die rechtliche Aufarbeitung seiner Geschäfte und des Zusammenbruchs seines Imperiums ist nach wie vor in vollem Gange.
Der Kontrast zu Benkos früherem Leben könnte kaum größer sein. Jahrelang gönnten sich die Benkos ein Luxusleben, das von immensem Reichtum zeugte. Seine Villa N in Innsbruck beeindruckte mit einem Säuleneingang, einem Nachbau der Blauen Grotte von Capri im Keller und Ferraris im Foyer. Benko schaffte es als »Wunderkind der Immobilienwelt« sogar auf die renommierte Forbes-Liste der reichsten Menschen. Nun, in der Untersuchungshaft, scheint er zu den “Basics” zurückzukehren und sich dem Gedanken einer ehrlichen Arbeit mit den Händen zu widmen. Ob er sich jedoch wirklich an ein Handwerk ohne die Annehmlichkeiten seines früheren goldenen Klopapierhalters gewöhnen kann, bleibt eine offene Frage und Spekulation.
Die Ankündigung seiner potenziellen Umschulung zum Tischler lässt Beobachter rätseln, ob dies ein echter Neuanfang oder eher eine Beschäftigungstherapie während der Haft ist. Die Frage, ob René Benko nach seiner Haftstrafe tatsächlich “auf die Walz” gehen und als Handwerker arbeiten wird, steht im Raum. Insider und enge Mitarbeiter des einstigen Immobilienmoguls hatten früh gespürt, dass sein Reich kollabieren würde, und in internen Chats über den Chef gelästert. Der Weg vom glamourösen Milliardär zum potenziellen Tischler markiert eine bemerkenswerte Zäsur in einem Leben, das einst von beispiellosem Aufstieg und nun von einem tiefen Fall geprägt ist.

