Die Deutsche Bahn verzeichnete im vergangenen Jahr einen erheblichen Milliardenverlust von 2,3 Milliarden Euro, eine Steigerung um rund 500 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Hauptursache für dieses negative Ergebnis waren massive Wertminderungen von etwa 1,4 Milliarden Euro in der Tochtergesellschaft DB Fernverkehr. Diese Abschreibungen sind eine direkte Konsequenz der anhaltenden Probleme mit der Infrastruktur, die langfristig zu erwartenden niedrigeren Umsätzen in diesem Geschäftsbereich führen. Da sich der Zustand des Schienennetzes und damit auch die Pünktlichkeitswerte nur schleppend verbessern, beeinträchtigt dies nachhaltig das Kerngeschäft im Fernverkehr. Die Bahn prognostiziert, dass diese Schwierigkeiten weiterhin Druck auf die Ertragslage ausüben werden, was sich direkt in den Unternehmenszahlen niederschlägt.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Konzern mit dem Verkauf der profitablen Logistiktochter DB Schenker einen wichtigen Gewinnbringer verloren hat. Obwohl der Erlös aus dem Verkauf maßgeblich zum Abbau des enormen Schuldenbergs beitrug – dieser sank um fast zwölf Milliarden auf 20,7 Milliarden Euro –, fehlt nun eine entscheidende Einnahmequelle. Trotz des hohen Gesamtverlustes konnte die Bahn-Chefin Evelyn Palla einen Lichtblick verkünden: Operativ, also vor Zinsen und Steuern (EBIT), erzielte der Konzern erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn von 297 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz stieg zudem um rund drei Prozent auf beachtliche 27 Milliarden Euro, was Palla als wichtigen Schritt nach vorn wertete, jedoch betonte, dass noch viel Arbeit vor ihnen liege, um nachhaltige Jahresüberschüsse zu erwirtschaften.
Indes sorgt die Vergütung des Bahnvorstands für Diskussionen. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Gesamtzahlungen an alte und neue Vorstände, inklusive Abfindungen und Boni, auf rund 17,3 Millionen Euro. Allein der frühere Vorstandschef Richard Lutz erhielt fast 5,5 Millionen Euro, davon 1,4 Millionen Euro Festgehalt und eine Abfindung von fast 3,5 Millionen Euro aufgrund seiner Abberufung. Trotz dieser finanziellen Belastungen und Verluste verzeichnete die Deutsche Bahn ein starkes Wachstum bei den Fahrgastzahlen. Über alle Verkehrssparten hinweg nutzten rund 1,93 Milliarden Menschen die Bahn, ein Plus von 3,4 Prozent. Die Verkehrsleistung stieg um 2,7 Prozent auf 87 Milliarden Personenkilometer.
Der Fernverkehrsvorstand Michael Peterson merkte an, dass steigende Kraftstoffpreise, möglicherweise verstärkt durch geopolitische Konflikte wie den Irankrieg, dem Bahnverkehr einen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnten. Ein deutlicher Nachfrageanstieg wurde bereits verzeichnet, als die Benzinpreise die Zwei-Euro-Marke überschritten. Dies ist eine wichtige Entwicklung, da der Fernverkehr derzeit nur etwa zur Hälfte ausgelastet ist. Parallel dazu überfordert das starke Wachstum im Regionalverkehr bereits heute die Kapazitäten an vielen Hauptknotenpunkten. Diese Mischung aus unterausgelastetem Fernverkehr und überlastetem Regionalverkehr, zusammen mit der ernüchternden Infrastrukturbilanz, wie sie der ICE im Hauptbahnhof Stuttgart symbolisiert, stellt die Deutsche Bahn vor ein komplexes Dilemma zwischen steigender Nachfrage und unzureichender Kapazität.

