Ein bizarrer Konflikt erschüttert die katholische Kirche in Spanien: Eine Gruppe von sieben abtrünnigen Ordensfrauen, ehemals Klarissen, steht vor der Zwangsräumung ihres Klosters Belorado. Nachdem das Provinzgericht in Burgos das Räumungsurteil bestätigt hat, suchen die Nonnen, die sich im Mai 2024 von der Amtskirche losgesagt hatten, nun verzweifelt nach einer neuen Bleibe. Ihr unfreiwilliger Auszug ist für Juli 2025 angesetzt und markiert das unversöhnliche Ende eines fast zweijährigen Streits, der landesweit für Schlagzeilen sorgte und die religiöse Gemeinschaft spaltet.
In einer im Internet veröffentlichten Erklärung wenden sich die Ordensfrauen mit einem emotionalen Hilferuf an die Öffentlichkeit. Sie beschreiben ihre aktuelle Lage als einen der schwierigsten und dramatischsten Momente ihrer Geschichte, in dem sie an den Pranger gestellt, erniedrigt, beschuldigt und verfolgt würden – lediglich weil sie an ihr eigenes Lebensprojekt glaubten. Als Reaktion darauf wurde das Onlineprojekt „Queremos Un Convento“ („Wir wollen ein Kloster“) ins Leben gerufen. Dieser Solidaritätsaufruf an alle Spanier sucht ein Haus, ein ehemaliges Kloster oder einen anderen geeigneten Raum, der als würdige neue Unterkunft für die Gemeinschaft dienen kann und ihnen einen Ausweg aus ihrer „ungerechten Situation“ bieten soll. Erste Angebote sollen laut spanischen Medien bereits eingegangen sein.
Der Ursprung des Konflikts reicht zurück bis in den Mai 2024, als sich die für ihre Süßigkeitenmanufaktur bekannten Ordensfrauen von der katholischen Kirche lossagten. In einem aufsehenerregenden TV-Interview erklärten sie, dass ihre Entscheidung nicht aus einer Laune heraus getroffen wurde, sondern das Ergebnis einer schleichenden Entfremdung vom Vatikanischen Reformkurs über mehrere Jahre hinweg sei. Eine der Schwestern klagte, es sei „von der katholischen Kirche kaum noch etwas übrig – jetzt steht nicht mehr Gott, sondern der Mensch im Mittelpunkt“. Eine andere fügte hinzu: „Wir erkennen den Vatikan nicht an – es ist eine Farce.“ Diese Aussagen verdeutlichen die tiefgreifenden theologischen und kirchenpolitischen Differenzen, die zu der Trennung führten.
Nachdem zahlreiche Vermittlungsversuche gescheitert waren, wurden die rebellischen Schwestern im Juni 2024 offiziell exkommuniziert und damit sowohl aus der Kirche als auch aus ihrem Orden ausgeschlossen. Das zuständige Erzbistum Burgos erklärte, dass sie aufgrund ihrer freiwilligen Lossagung keinen Anspruch mehr auf den Verbleib im Kloster oder dessen Vermögen hätten. Das daraus resultierende juristische Tauziehen zog sich monatelang hin, bis die kürzlich ergangene Gerichtsentscheidung die Räumung des Klosters besiegelte. Die Suche nach einer neuen Bleibe und die Unterstützung durch die Öffentlichkeit zeigen die Entschlossenheit der Nonnen, ihren Lebensweg fortzusetzen, auch außerhalb der Strukturen der Amtskirche.
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