In Deutschland sind am Samstag zahlreiche Jugendproteste in Gewalt umgeschlagen. In Frankfurt am Main plünderten vermummte Gruppen mehrere Geschäfte. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Pfefferspray ein, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Einige Demonstranten warfen Steine, Flaschen und Brandsätze auf Einsatzkräfte. Bei den Unruhen wurden mehrere Polizisten verletzt.
Zehntausende Menschen nahmen an den Kundgebungen teil. Organisiert wurden die Proteste von der Jugendbewegung „GenZ regelt!“. Sie fordert, dass die Regierung die Sorgen junger Menschen stärker berücksichtigt. Am Tag verliefen viele Veranstaltungen friedlich. Erst am Abend kam es in mehreren Städten zu heftigen Zusammenstößen.
Besonders schwer war die Lage in Frankfurt. Dort griffen Gruppen von Demonstranten Polizeikräfte mit Steinen, Feuerwerkskörpern und Molotowcocktails an. Die Polizei sprach von gewaltsamen Ausschreitungen. Mehrere Geschäfte wurden beschädigt. Auch Rettungs- und Einsatzkräfte gerieten ins Visier der Angreifer.
Ein Waffenladen gehörte zu den betroffenen Geschäften. Unbekannte schlugen die Schaufenster ein und plünderten den Laden. Die Polizei nahm einen Verdächtigen fest und stellte zwei Waffen sicher. Auch ein Schuhgeschäft und eine Parfümerie wurden angegriffen. Darüber berichteten deutsche Medien.
Die Polizei sperrte einen großen Teil der Frankfurter Einkaufsstraße ab. Einsatzwagen und schwer ausgerüstete Beamte hinderten Menschen daran, den Bereich zu betreten. Während ein Polizeihubschrauber über der Stadt kreiste, waren auf der Straße immer wieder laute Knallgeräusche zu hören. Mindestens ein Polizist wurde verletzt und musste medizinisch behandelt werden.
Roman Poseck, der Innenminister von Hessen, erklärte, dass sich etwa 100 bekannte Linksextremisten unter die Demonstranten gemischt hätten. Er kritisierte den Verlauf der Veranstaltung deutlich. Es sei beschämend, wie die Proteste in Frankfurt geendet hätten.
Auch in Hamburg und Köln kam es am Abend zu schweren Zwischenfällen. Nach Angaben der Polizei warfen Demonstranten Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf Einsatzkräfte. Die Polizei setzte daraufhin in beiden Städten Wasserwerfer ein. In Bonn erlitt ein Polizist bei einer Auseinandersetzung mit einer Gruppe leichte Verletzungen.
In Berlin fand am Abend eine weitere Demonstration statt. Diese Veranstaltung wurde nicht von „GenZ regelt!“ organisiert. Nach Angaben der Polizei wurden Beamte dort mit Eiern und Flaschen beworfen. Berichten zufolge nahm die Polizei zahlreiche Personen fest, die an den Ausschreitungen beteiligt gewesen sein sollen.
Zuvor hatten die Proteste in vielen Städten friedlich begonnen. Zahlreiche junge Menschen versammelten sich auf den Straßen und machten auf ihre Forderungen aufmerksam. Einige Teilnehmer trugen Halloween-Kostüme. Unter ihnen waren Menschen in Dinosaurier- und Batman-Verkleidungen. Die ungewöhnlichen Outfits sorgten für ein buntes Bild bei den Kundgebungen.
Auf ihren Schildern standen Slogans wie „Zeit für Widerstand“. Andere Teilnehmer forderten den Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz. Die Kritik richtete sich gegen politische Entscheidungen, die nach Ansicht vieler junger Menschen ihre Zukunft gefährden.
Eine 20-jährige Studentin namens Milla nahm an einer Demonstration in Berlin teil. Sie sagte, es sei wichtig, Solidarität mit ähnlichen Protesten in Europa zu zeigen. Dabei verwies sie auf die Bewegung in Frankreich. Sie habe lange darauf gewartet, dass mehr Menschen aktiv würden. Die Demonstration sei für sie ein erster Schritt gewesen.
Die Forderungen der Jugendbewegung betreffen viele Bereiche des Alltags. Dazu gehören steigende Lebenshaltungskosten, schlecht ausgestattete Schulen und Kürzungen bei staatlichen Ausgaben. Viele Teilnehmer kritisieren zudem, dass Politiker Entscheidungen treffen, ohne die Interessen junger Menschen ausreichend zu beachten.
Ein weiterer Streitpunkt ist die geplante Erhöhung der Militärausgaben. Die Bundesregierung will mit einem neuen freiwilligen Wehrdienstmodell mehr Menschen für die Bundeswehr gewinnen. Einige junge Demonstranten befürchten jedoch, dass dieser Schritt später zur Wiedereinführung der Wehrpflicht führen könnte.
Nach Angaben der Organisatoren nahmen rund 120.000 Menschen an den Protesten teil. Die Zahl blieb damit unter der erwarteten Beteiligung von etwa 180.000 Menschen. Die Bewegung distanzierte sich zugleich von Gewalt. Extremismus, Rassismus, Hass und verfassungsfeindliche Symbole hätten bei ihren Veranstaltungen keinen Platz, erklärte die Gruppe.
Auch in Frankreich fanden am Samstag neue Proteste statt. Es war bereits das dritte Wochenende in Folge mit Demonstrationen. In Paris und anderen Städten kam es zu Zusammenstößen. Proteste am 17. Oktober hatten dort schwere Unruhen ausgelöst. Diese gehörten zu den schlimmsten Ausschreitungen in Frankreich seit Jahren.
Die deutsche Regierung stand unterdessen mit Vertretern Frankreichs und Italiens in Kontakt. Dabei ging es auch um die Sorge, dass radikale Gruppen aus dem Ausland an den deutschen Protesten teilnehmen könnten. Die Ereignisse zeigen, dass die wachsende Unzufriedenheit junger Menschen in Europa zu großen Protesten führen kann. Zugleich machen die Ausschreitungen deutlich, wie schnell friedliche Kundgebungen in Gewalt umschlagen können.

