Pakistan hat der Taliban-Regierung in Afghanistan nach jüngsten Luftangriffen und schweren Grenzgefechten den “offenen Krieg” erklärt. Verteidigungsminister Khawaja Asif erklärte auf X, die Geduld Pakistans sei am Ende. Die pakistanische Luftwaffe griff militärische Einrichtungen in Afghanistan an, darunter in der Hauptstadt Kabul, sowie in Kandahar und Paktia. Der Sprecher der Taliban, Sabiullah Mudschahid, bestätigte die Angriffe auf X, berichtete jedoch nicht über Opfer. Zuvor kam es zu heftigen Auseinandersetzungen an der afghanisch-pakistanischen Grenze, die an die angespannte Lage vom letzten Herbst erinnern, als Dutzende afghanischer Zivilisten bei pakistanischen Angriffen starben.
Die jüngsten Angriffe führten zu widersprüchlichen Angaben über Opferzahlen und Erfolge. Pakistan meldete die Tötung von 133 afghanischen Taliban-Kämpfern und die Zerstörung von Waffenlagern, Panzern und Militäranlagen. Präsident Asif Ali Zardari betonte, Pakistan werde keine Kompromisse bei Frieden und territorialer Integrität eingehen und drohte eine umfassende und entschlossene Reaktion an. Die afghanischen Taliban behaupteten ihrerseits, 55 pakistanische Soldaten getötet und Stellungen im Grenzgebiet eingenommen zu haben, als Reaktion auf Pakistans Angriffe eine “umfassende Offensive” gestartet zu haben. Die Angaben beider Seiten konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Die Beziehungen zwischen den Nachbarländern haben sich massiv verschlechtert, mit wiederkehrenden Gefechten, zuletzt im Herbst, bei denen laut UN 70 afghanische Zivilisten ums Leben kamen. Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen, insbesondere Gruppen wie Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) und einen regionalen Ableger des “Islamischen Staates” (IS), zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul bestreitet dies vehement. Die Zahl der Terroranschläge in Pakistan stieg laut Berichten 2023 erheblich an. Ein UN-Bericht bestätigt zudem, dass die afghanische Regierung verschiedenen Terrorgruppen ein günstiges Umfeld biete und die pakistanischen Taliban unterstütze. Die umstrittene, 2400 Kilometer lange Durand-Linie bleibt ein ständiger Zankapfel.
Angesichts der dramatischen Eskalation hat UN-Generalsekretär António Guterres beide Länder eindringlich zur Deeskalation und zur Beilegung ihrer Differenzen auf diplomatischem Weg aufgerufen. Die wiederholten gegenseitigen Angriffe und die offene Kriegserklärung unterstreichen die kritische Lage in der Region. Die tief verwurzelten Konflikte, von Grenzstreitigkeiten bis hin zu Vorwürfen der Terrorismusunterstützung, erschweren eine schnelle Lösung. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Situation mit großer Sorge, da eine weitere Eskalation weitreichende Konsequenzen für die gesamte Region haben könnte. Die Forderung nach Dialog und friedlicher Konfliktlösung bleibt dringend.
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