Das deutsche Verteidigungsministerium plant, kriegserfahrene ukrainische Soldaten in die Ausbildung der Bundeswehr zu integrieren, um die Kriegstüchtigkeit der eigenen Streitkräfte zu erhöhen. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat hierfür ein Abkommen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj unterzeichnet. Ziel ist es, die praktischen Erfahrungen ukrainischer Soldatinnen und Soldaten an den Truppenschulen des Heeres einfließen zu lassen. Dies stellt eine strategische Neuausrichtung dar, die die Bundeswehr von den unmittelbaren und harten Lektionen der modernen Kriegsführung profitieren lassen soll. Die Zusammenarbeit wurde als dringlich eingestuft, da die Ukraine als einziges NATO-Partnerland über aktuelle und umfassende Kampferfahrung verfügt.
Die ukrainischen Ausbilder sollen ihren deutschen Kameraden vor allem praktische Kenntnisse aus ihren Gefechten mit der russischen Armee vermitteln. Schwerpunkte liegen dabei auf dem Einsatz und der Abwehr von bewaffneten Drohnen sowie dem Schutz vor gegnerischen Attacken – Bereiche, in denen die Ukraine in den vergangenen vier Kriegsjahren „essenzielle Fähigkeiten“ aufgebaut hat. Insbesondere die robusten Infanterieeinheiten des Heeres sollen von diesem Wissenstransfer profitieren. Angesichts der Rekrutierungsprobleme in der Ukraine wird erwartet, dass die Ausbilder zunächst für einige Wochen nach Deutschland kommen, um ihr Fachwissen weiterzugeben.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Zusammenarbeit ist das Lernen aus der ukrainischen Erfahrung mit den von Deutschland gelieferten Waffensystemen, wie dem Flugabwehrsystem „Gepard“, der Panzerhaubitze 2000 oder dem Leopard-Panzer. Die Bundeswehr kann so wertvolle Rückmeldungen über die Leistungsfähigkeit und Handhabung dieser Systeme unter realen Gefechtsbedingungen erhalten. Von besonderem Interesse sind zudem die modernen ukrainischen Führungssysteme: Hierbei handelt es sich um relativ simple, aber an der Front bewährte Apps auf handelsüblichen Mobiltelefonen zur Gefechtsplanung, Steuerung der eigenen Kräfte, Nachschuborganisation und zum Abtransport von Verletzten. Diese zeichnen sich durch ihre Praktikabilität und ständige Verbesserung im Einsatz aus, im Gegensatz zu den komplexeren, in Friedenszeiten entwickelten Bundeswehr-Systemen.
Diese neue Initiative markiert einen bedeutenden Wandel: Bisher hatte die Bundeswehr selbst Lehrgänge für Tausende ukrainische Soldaten angeboten und sie an deutschen Waffensystemen ausgebildet. Nun kehrt sich die Rolle um, und die Bundeswehr profitiert direkt von der unmittelbaren Fronterfahrung eines Verbündeten. Dieser Austausch von aktuellem Kampfwissen wird als unerlässlich angesehen, um die Bundeswehr an die Anforderungen der modernen Kriegsführung anzupassen und ihre eigene Kriegstüchtigkeit signifikant zu steigern.

