Die Bundesregierung hat die umgehende Freilassung des in der Türkei festgenommenen Deutsche-Welle-Journalisten Alican Uludag gefordert. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete die Vorwürfe der türkischen Behörden als „haltlos“. Uludag wurde am Donnerstagabend in Ankara wegen „Präsidentenbeleidigung“ und „Verbreitung irreführender Informationen“ festgenommen. Laut Reporter ohne Grenzen (RSF) wurde er am Freitag wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft genommen und ins Metris-Gefängnis gebracht. Dem Korrespondenten drohen nun bis zu vier Jahre und acht Monate Haft.
Die Anschuldigungen gegen Uludag basieren laut Deutscher Welle auf einem etwa eineinhalb Jahre alten Beitrag im Internetdienst X. Darin soll er sich kritisch über die Freilassung mutmaßlicher Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) durch die türkische Regierung geäußert und zudem Korruption vorgeworfen haben. Die Deutsche Welle (DW) fordert ebenfalls Uludags sofortige Freilassung. DW-Intendantin Barbara Massing erklärte, die Vorwürfe seien „haltlos“ und betonte, Uludag sei „ein bekannter Investigativjournalist, der unter anderem zu Korruption recherchiert, sehr gut vernetzt ist und Zugang zu wichtigen Quellen hat“. Er könne damit „der Regierung – in ihren Augen – gefährlich werden“.
Massing kritisierte zudem die Umstände der Festnahme scharf: „Dass ein Journalist wie ein Schwerverbrecher von 30 Polizisten abgeführt und direkt nach Istanbul gebracht wird, dient der gezielten Einschüchterung und zeigt, wie massiv die Regierung Pressefreiheit unterdrückt.“ Auch Vizeregierungssprecher Sebastian Hille wies in Berlin darauf hin, dass die Lage der Pressefreiheit in der Türkei seit Jahren „Gegenstand internationaler Besorgnis“ sei. Die Bundesregierung sei „zutiefst besorgt über diesen Vorgang“ und betonte, Journalisten müssten ihre Arbeit frei und ohne Angst vor Repressionen ausüben können, was „natürlich auch in der Türkei“ gelte.
Alican Uludag ist seit mehreren Jahren als Gerichtsreporter für die Deutsche Welle in der Türkei tätig. Er berichtet über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse und erreicht damit eine breite Öffentlichkeit. RSF bezeichnete die Festnahme als „Teil der gerichtlichen Schikanen gegen seriöse Journalisten“ in der Türkei. In der Rangliste der Pressefreiheit von RSF belegt die Türkei einen besorgniserregenden 159. Platz von 180 Ländern, was die anhaltenden Herausforderungen für die Medienfreiheit im Land verdeutlicht.

