Das LNG-Terminal auf Rügen hat erstmals Flüssigerdgas (LNG) in die Ukraine geliefert. Diese bedeutende Entwicklung wurde vom staatlichen ukrainischen Energiekonzern Naftogaz bestätigt und stellt einen entscheidenden Beitrag zur Energiesicherheit des kriegsgebeutelten Landes dar. Das aus den USA stammende LNG wird im Hafen Mukran regasifiziert und anschließend über eine Pipeline durch Polen in die Ukraine transportiert. Laut Ingo Wagner, Geschäftsführer von Deutsche Regas, dem Betreiber des Terminals, wurde die erste Lieferung durch die professionelle Zusammenarbeit aller Partner ermöglicht. Er hob hervor, dass das privat finanzierte und betriebene Terminal einen direkten Beitrag zur Stärkung der Energieversorgung der Ukraine leistet.
Die jüngsten Importe über deutsche LNG-Terminals sind auf ein Rekordniveau gestiegen, was zum Teil auf den kalten Winter in Deutschland zurückzuführen ist. Die Gasspeicher hierzulande befinden sich auf einem niedrigen Niveau. Darüber hinaus werden seit dem Auslaufen von Verträgen mit Russland verstärkt Länder wie Österreich, Tschechien, Ungarn und die Slowakei über Deutschland versorgt. Allein das Energie-Terminal »Deutsche Ostsee« regasifizierte von November bis Januar 12,9 Terrawattstunden (TWh) Gas – die größte Menge aller schwimmenden LNG-Terminals in Europa. Mit 4,4 TWh speiste das Rügen-Terminal im Januar die größte Gasmenge aller deutschen LNG-Terminals in das Fernleitungsnetz ein.
Sergii Koretskyi, Chef von Naftogaz, betonte die enorme Bedeutung dieser Gaslieferung für die Ukraine. Er hob hervor, dass der aktuelle Winter aufgrund des konstanten Beschusses auf die Gasinfrastruktur und des extrem kalten Wetters der schwierigste seit Kriegsbeginn sei. Diese neue Partnerschaft eröffne eine verlässliche Importroute für das laufende Jahr und sei der erste Schritt für eine langfristige Zusammenarbeit. Die Fähigkeit, Gas über eine neue Route zu beziehen, ist für die Resilienz der ukrainischen Energieversorgung von entscheidender Bedeutung.
Der Ausbau der LNG-Infrastruktur an Nord- und Ostsee stieß in der Vergangenheit, insbesondere auf der Ferieninsel Rügen, auf erheblichen Widerstand. Nach Fertigstellung wurden die Terminals, die Wirtschaftsminister Robert Habeck zur Unabhängigkeit von russischer Energieversorgung etablieren wollte, zunächst kaum genutzt. Deutschland bezog stattdessen hauptsächlich norwegisches Gas über Nordseepipelines. Die aktuelle Situation, in der die Terminals nun ausgelastet sind und sogar die Ukraine versorgen, unterstreicht jedoch ihre strategische Relevanz für die europäische Energiesicherheit.

