Annalena Baerbock sorgte in der Sendung »Maischberger« für hitzige Diskussionen mit ihrer Äußerung, Grönland sei »auch EU-Gebiet«. Die ehemalige Außenministerin begründete dies mit dem internationalen Interesse an der Eisinsel, insbesondere durch Donald Trumps Pläne, und der Notwendigkeit, »Fakten klarzumachen«. Doch diese Aussage brachte sie selbst in Bedrängnis und löste Vorwürfe aus, sie habe die Fakten verdreht, was eine Debatte über die genaue Zugehörigkeit des Territoriums entfachte.
Grönland ist entgegen Baerbocks Behauptung kein offizielles EU-Gebiet. Es ist ein autonomes Überseegebiet Dänemarks, einem Mitgliedstaat der EU, und seine Einwohner besitzen zwar die Rechte von EU-Bürgern, doch die Insel selbst gehört nicht zum Staatenverbund. Bereits 1985 trat Grönland aus der Europäischen Gemeinschaft aus und ist auch kein Teil des Schengen-Raums. Moderatorin Sandra Maischberger hakte hier präzise ein und korrigierte Baerbock, indem sie auf den Opt-out Grönlands hinwies, was die juristische Sachlage unmissverständlich klarstellt.
Baerbock versuchte daraufhin, ihre Aussage zu präzisieren: Die Grönländer seien EU-Staatsbürger und »damit haben sie auch die Außengrenze der EU.« Diese Deutung bewegt sich in einem Graubereich. Grönland liegt zwar nicht an der geografischen Außengrenze der EU, aber an der Außengrenze eines EU-Mitgliedstaates. Zudem lassen sich solche Grenzen auch metaphorisch verstehen, ähnlich wie der damalige Verteidigungsminister Peter Struck im Jahr 2002 Deutschlands Sicherheit auch am Hindukusch verortete, um einen strategischen Interessensbereich zu verdeutlichen.
Allerdings könnte eine solche weite Auslegung der EU-Außengrenze nach Baerbocks Definition die Grenzen bis zu Inseln wie Curaçao (Niederlande) oder Tahiti (Frankreich) ausdehnen, die ebenfalls zu den Überseeischen Ländern und Gebieten (ÜLG) der EU gehören. Kritisiert wird, dass die Politikerin nicht deutlich machte, dass es ihr um eine symbolische oder strategische Grenze ging, was zu der Verwirrung über die tatsächliche rechtliche Zugehörigkeit führte. Die Diskussion unterstreicht die Komplexität der Beziehungen zwischen der EU, ihren Mitgliedstaaten und deren Überseegebieten.
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