In Belfast und weiteren Teilen Nordirlands ist es nach einem schweren Messerangriff zu massiven Protesten und gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. In der Hauptstadt versammelten sich Hunderte Menschen, teils mit vermummten Gesichtern. Die Lage eskalierte schnell, mehrere Gebäude und Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt.
In einigen Stadtteilen stieg dichter Rauch auf, wie Luftaufnahmen zeigten. Autos, Müllcontainer und Gebäude wurden angezündet. Die Feuerwehr musste Bewohner aus brennenden Häusern retten. Aus Sicherheitsgründen schlossen viele Geschäfte früher als gewöhnlich.
Auch außerhalb von Belfast kam es zu Protesten. In Southampton versammelten sich Demonstranten vor einem Hotel, in dem Asylsuchende untergebracht sind. Die Proteste wurden von rechtsextremen Aktivisten organisiert. Unter den Aufrufen war auch der bekannte rechtsextreme Aktivist Tommy Robinson.
Zusätzlich sorgte eine Reaktion des US-Milliardärs Elon Musk im Onlinedienst X für Aufmerksamkeit. Er ermutigte die Protestierenden, „wiederholt und laut“ auf die Straße zu gehen. Diese Aussage verstärkte die ohnehin angespannte Stimmung in den sozialen Medien.
Die politischen Reaktionen fielen deutlich aus. Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte die Gewalt scharf und sprach von „widerwärtigen Szenen“. Er betonte, dass es keine Toleranz für solche Ausschreitungen gebe, und rief gleichzeitig zur Ruhe auf. Die Polizei solle ihre Ermittlungen ohne Druck fortsetzen.
Auch die nordirische Regierungschefin Michelle O’Neill äußerte sich klar gegen die Gewalt. Sie verurteilte insbesondere Angriffe auf Familien und Häuser. Andere Politiker verschiedener Parteien schlossen sich dieser Haltung an und warnten vor weiterer Eskalation.
Die Spannungen waren durch einen Messerangriff am Vortag ausgelöst worden. Dabei wurde ein Mann schwer verletzt und mit Verletzungen im Gesicht, am Hals und am Rücken ins Krankenhaus gebracht. Der Tatverdächtige, ein 30-jähriger Geflüchteter aus dem Sudan, wurde laut Polizei festgenommen und wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Bedrohung angeklagt. Er soll vor Gericht erscheinen.
Die Polizei stellte am Tatort ein Küchenmesser sicher. Zudem riefen die Behörden dazu auf, ein im Internet verbreitetes Video der Tat nicht weiter zu teilen, um keine weiteren Spannungen zu verursachen.
Der Polizeichef von Nordirland, Jon Boutcher, warnte davor, sich durch soziale Medien aufstacheln zu lassen. Es gebe bislang keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund der Tat. Die Ermittlungen dauern an.
Die Ereignisse erinnern an frühere Spannungen im Vereinigten Königreich, das bereits in der Vergangenheit von gewaltsamen, teils rassistisch motivierten Ausschreitungen betroffen war. Die aktuelle Lage bleibt angespannt, während Polizei und Behörden versuchen, die Situation unter Kontrolle zu bringen und weitere Gewalt zu verhindern.

