Daniela Klette RAF Prozess steht kurz vor dem Abschluss und zählt zu einem der aufsehenerregendsten Verfahren gegen eine ehemalige deutsche Untergrundfigur der letzten Jahrzehnte. Die 67-jährige frühere RAF-Terroristin wurde Ende 2024 in Berlin nach mehr als 30 Jahren im Untergrund festgenommen. Nun nähert sich das Verfahren vor dem Landgericht Verden bei Bremen seinem Ende.
Am kommenden Dienstag soll die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer halten. Danach wird mit einem Urteil in dem umfangreichen Verfahren gerechnet, das seit Anfang 2025 läuft und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen geführt wird.
Im Mittelpunkt des Daniela Klette RAF Prozess stehen schwere Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem versuchten Mord aus Habgier, schweren Raub als Teil einer Bande sowie unerlaubten Waffenbesitz vor. Zusätzlich geht es um Verstöße gegen das Waffenrecht und das Kriegswaffenkontrollgesetz.
Nach Angaben der Ermittler soll Klette gemeinsam mit zwei mutmaßlichen Komplizen zwischen 1999 und 2016 an insgesamt 13 bewaffneten Überfällen beteiligt gewesen sein. Dabei sollen Geldtransporter und Kassenbüros in mehreren Bundesländern überfallen worden sein, darunter Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.
Die Anklage beschreibt die Gruppe als hoch konspirativ. Die Täter sollen Fahrzeuge unter falschen Namen gemietet, Tatorte im Voraus ausgekundschaftet und detaillierte Fluchtpläne erstellt haben. Auch die Aufteilung der Beute sei vorher geregelt worden. Laut Ermittlungen traten die Täter häufig maskiert auf, teilweise mit Perücken, falschen Bärten oder Sturmhauben.
Im Verlauf des Daniela Klette RAF Prozess wurden mehrere Anklagepunkte bereits teilweise reduziert. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden fünf der ursprünglich genannten Raubüberfälle eingestellt, da sie für das Gesamtverfahren nicht entscheidend seien und eine zusätzliche Belastung von Zeugen vermieden werden sollte.
Ein zentraler Vorwurf betrifft einen bewaffneten Überfall in Stuhr bei Bremen im Jahr 2015. Dabei soll das Trio einen Geldtransporter mit fast einer Million Euro gestoppt haben. Laut Anklage fielen Schüsse, die auch die Fahrerkabine trafen. Die Fahrer blieben jedoch unverletzt, und die Täter flohen ohne Beute.
Das Gericht bewertete diesen Vorfall nicht als Mordversuch, sondern als Fall mit sogenanntem bedingten Tötungsvorsatz. Das bedeutet, dass mögliche Todesfolgen zwar in Kauf genommen, aber nicht gezielt beabsichtigt gewesen sein sollen.
Die Beweislage im Daniela Klette RAF Prozess basiert auf verschiedenen Elementen. In ihrer Wohnung in Berlin fanden Ermittler unter anderem Waffenattrappen, ein Sturmgewehr, eine Maschinenpistole sowie große Mengen Bargeld und Gold. Zudem wurden Skizzen und Notizen über mögliche Ziele sichergestellt, darunter Supermärkte und Polizeiwachen.
Auch DNA-Spuren aus Fluchtfahrzeugen spielen eine Rolle. Experten gehen davon aus, dass sich darunter Spuren der Angeklagten befinden könnten. Die Verteidigung stellt diese Ergebnisse jedoch infrage und kritisiert mögliche Fehler in der Spurensicherung.
Augenzeugenberichte von früheren Überfällen liefern ebenfalls Hinweise, sind jedoch nach vielen Jahren oft ungenau. Mehrere Zeugen beschrieben drei Täter, konnten diese jedoch nicht eindeutig identifizieren.
Welche Strafe im Daniela Klette RAF Prozess am Ende verhängt wird, ist noch offen. Bei einer Verurteilung droht der Angeklagten eine mehrjährige Haftstrafe. Besonders schwerer Raub kann mit mindestens fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Auch Waffen- und Kriegswaffendelikte können hohe Freiheitsstrafen nach sich ziehen.
Neben diesem Verfahren könnte Klette noch ein weiterer Prozess bevorstehen. Die Bundesanwaltschaft hat Anklage wegen früherer Anschläge zwischen 1990 und 1993 erhoben, darunter Vorwürfe des versuchten Mordes und Sprengstoffanschläge. Ob es dazu kommt, muss noch ein Gericht entscheiden.
Der aktuelle Daniela Klette RAF Prozess findet in einem eigens umgebauten Gerichtssaal in einer ehemaligen Reithalle statt. Die hohen Sicherheitskosten und der Umbau belaufen sich auf mehrere Millionen Euro. Der Vertrag für die Nutzung läuft noch bis 2027.
Mit dem bevorstehenden Plädoyer rückt nun ein mögliches Urteil näher. Damit könnte eines der längsten Kapitel der deutschen RAF-Nachgeschichte bald vorerst abgeschlossen werden.

