Zehn Jahre nach dem Brexit EU Referendum Folgen ist Großbritannien weiterhin tief geprägt vom Austritt aus der Europäischen Union. Am 23. Juni 2016 stimmten die Briten mit 52 zu 48 Prozent für den Austritt. Das Ergebnis überraschte viele Menschen im Land und löste eine politische und gesellschaftliche Krise aus. Bis heute wirkt diese Entscheidung stark nach und verändert Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Vereinigten Königreich.
Am Morgen nach dem Referendum verkündete BBC-Moderator David Dimbleby das Ergebnis mit den Worten, dass die Briten „out“ seien. Viele Menschen reagierten geschockt. Seitdem hat das Land eine Phase politischer Instabilität erlebt. Mehrere Premierminister wechselten sich ab, und auch der aktuelle Rücktritt von Keir Starmer zeigt, wie unruhig die politische Lage geblieben ist. Insgesamt hatte das Land seit dem Referendum so viele Regierungschefs wie in den 40 Jahren davor zusammen.
Eines der zentralen Versprechen der Brexit-Befürworter war die Kontrolle über die eigenen Grenzen. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild. Die Nettozuwanderung stieg in den Jahren nach dem Austritt stark an und erreichte zeitweise mehr als 900.000 Menschen im Jahr. Besonders die Migration aus Nicht-EU-Ländern nahm deutlich zu. Gleichzeitig entwickelte sich eine neue Route irregulärer Migration über den Ärmelkanal. Seit 2018 kamen mehr als 200.000 Menschen in kleinen Booten nach Großbritannien.
Diese Entwicklung wurde zu einem zentralen politischen Thema. Besonders die Partei Reform UK unter Nigel Farage nutzt die Debatte um Migration stark für ihre politische Position. Die Frage der Migration bleibt damit eng mit den Folgen des Brexits verbunden und prägt weiterhin Wahlkämpfe und öffentliche Diskussionen im Land.
Auch wirtschaftlich zeigt der Brexit deutliche Spuren. Der Handel mit der EU ist zurückgegangen. Experten berichten, dass der Export von EU-Staaten nach Großbritannien im Warenhandel rund 14 Prozent unter dem Niveau von 2019 liegt. Neue Zollregeln und Bürokratie haben besonders kleine und mittelständische Unternehmen belastet. Viele Firmen haben sich aus dem britischen Markt zurückgezogen, da der Aufwand zu hoch geworden ist.
Die Erwartungen der Brexit-Befürworter erfüllten sich dagegen nur teilweise oder gar nicht. Ein großes Freihandelsabkommen mit den USA kam nicht zustande. Auch die Hoffnung auf ein stark dereguliertes Finanzzentrum blieb unerfüllt. Viele neue Handelsabkommen Londons ersetzen lediglich frühere EU-Verträge, ohne große wirtschaftliche Vorteile zu bringen.
Politisch hat das Referendum das Land dauerhaft verändert. Seit 2016 wechseln sich Regierungen in kurzer Zeit ab, und viele Reformprojekte bleiben unvollendet. Das politische System ist stark polarisiert. Die Gesellschaft ist heute tief in „Remainer“ und „Leaver“ geteilt. Diese Spaltung ersetzt zunehmend klassische politische Lager wie links und rechts.
Auch die Parteistrukturen haben sich verändert. Die Labour-Partei verlor viele Wähler aus der Arbeiterschaft, während die Konservativen und Reform UK an Einfluss gewannen. Gleichzeitig wanderten viele Akademiker und urbane Wähler in andere politische Lager ab. Dadurch ist das frühere stabile Zwei-Parteien-System in Großbritannien geschwächt.
In Teilen des Landes wächst zudem der Wunsch nach Unabhängigkeit. In Schottland, Wales und Nordirland gewinnen Parteien mit Autonomie- oder Unabhängigkeitszielen an Unterstützung. Besonders in Nordirland bleibt die politische Lage angespannt, da der Brexit alte Konflikte rund um die Grenze zur Republik Irland neu belebt hat.
Auch die gesellschaftliche Debatte über eine mögliche Rückkehr in die EU nimmt wieder zu. Lange galt dieses Thema als politisches Tabu. Doch inzwischen äußern sich mehrere Politiker offener. Ex-Gesundheitsminister Wes Streeting sprach sogar von einem „katastrophalen Fehler“ und deutete langfristig eine mögliche Rückkehr an. Auch andere Stimmen sehen die Zukunft Großbritanniens wieder stärker in Europa.
Zehn Jahre nach dem Referendum bleibt der Brexit damit ein prägendes Ereignis. Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind tief verändert. Viele Versprechen der Befürworter wurden nicht erfüllt, während neue Herausforderungen entstanden sind. Gleichzeitig wächst die Debatte über die langfristige Richtung des Landes weiter. Großbritannien steht damit weiterhin vor der Frage, wie es seine Zukunft außerhalb der EU gestalten will.

