Der weltweite Online-Handel steht vor einem wachsenden Problem. Immer mehr Betrugsfälle entstehen nicht nur durch Hacker oder gestohlene Identitäten. Auch echte Kunden sind zunehmend an illegalen Aktivitäten beteiligt. Experten warnen vor einer neuen Welle von „first party“-Betrug im digitalen Handel.
Der Online Handel Betrug nimmt laut einer Analyse des US-Cybersicherheitsunternehmens LexisNexis Risk Solutions deutlich zu. Die Untersuchung basiert auf rund 116 Milliarden Transaktionen im vergangenen Jahr. Das Ergebnis zeigt eine klare Entwicklung: Betrug durch echte Kunden wächst schneller als klassische Cyberkriminalität.
Im Jahr 2025 machten solche Betrugsfälle weltweit bereits 38,8 Prozent aller registrierten Vorfälle aus. In Europa liegt der Anteil sogar bei fast 52 Prozent. Damit wird mehr als jeder zweite Betrugsfall dort von echten Käufern oder Nutzern verursacht, nicht nur von externen Hackern.
Experten sehen mehrere Gründe für diese Entwicklung. Eine schwächere Wirtschaftslage spielt eine Rolle. In finanziell schwierigen Zeiten steigt bei einigen Menschen die Bereitschaft, durch Betrug Geld zu verdienen. Gleichzeitig nutzen organisierte Kriminelle gezielt soziale Schwächen aus.
Laut Cyberexperten werden Menschen mit finanziellen Problemen, schlechter Bonität oder geringe Einkommen gezielt angesprochen. Auch Studenten und Rentner gehören zu den Gruppen, die von kriminellen Netzwerken angeworben werden. Ihnen wird oft eine kleine Geldsumme angeboten, wenn sie ihre Daten oder Konten zur Verfügung stellen.
Der Online Handel Betrug betrifft auch den deutschen Markt. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel bestätigt, dass diese Methoden zunehmend auftreten. Viele Betroffene wissen nicht einmal, dass sie Teil eines Betrugs geworden sind. Sie geben nur ihre Daten weiter oder führen scheinbar harmlose Bestellungen durch.
Eine häufige Methode ist der Kauf auf Rechnung oder per Kredit. Kunden bestellen Waren, bezahlen diese aber nicht. In anderen Fällen behaupten sie, die Ware sei nie angekommen oder gar nicht bestellt worden.
Besonders betroffen sind auch moderne Zahlungsmodelle wie „Buy now, pay later“. Diese Dienste ermöglichen es Kunden, Produkte sofort zu erhalten und später zu bezahlen. Laut Experten werden genau diese Systeme immer häufiger von Betrügern ausgenutzt.
Auch die Finanzbranche steht unter Druck. Besonders bei Ratenkäufen für teure Produkte wie Smartphones oder Elektronik kommt es häufig zu Missbrauch. Produkte werden bestellt, aber Zahlungen bleiben aus oder werden später angefochten.
Ein weiteres Problem sind Rückerstattungsbetrügereien. Kunden verlangen Geld zurück, obwohl sie die Ware erhalten haben. Händler müssen in solchen Fällen beweisen, dass ein Betrug vorliegt. Das ist oft schwierig und zeitaufwendig.
Die Beweislast liegt meist beim Händler. Dadurch entstehen hohe Verluste und zusätzlicher Aufwand für Unternehmen. Auch der Weiterverkauf von gestohlener oder erschlichener Ware im Internet nimmt zu. Solche Produkte tauchen häufig wieder auf Online-Marktplätzen auf.
Experten warnen zudem, dass organisierte Kriminalität den Online-Handel zunehmend gezielt nutzt. Internationale Gruppen rekrutieren Personen, die als „Strohkäufer“ oder Datenlieferanten fungieren. Diese Strukturen machen den Betrug schwerer zu erkennen und zu stoppen.
Trotz der Zunahme von Betrug durch echte Kunden bleibt Identitätsdiebstahl weiterhin ein großes Problem. Laut Experten verlagern kriminelle Gruppen ihre Methoden jedoch teilweise. Während mobile Apps besser geschützt werden, greifen Täter wieder häufiger Desktop-Systeme an.
Sicherheitsfachleute erklären, dass mobile Anwendungen oft mehr Datenpunkte liefern, um verdächtige Aktivitäten zu erkennen. Dadurch können Betrugsversuche schneller entdeckt werden als auf klassischen Desktop-Plattformen.
Der Online Handel Betrug entwickelt sich damit zu einer der größten Herausforderungen für den digitalen Handel. Händler, Finanzdienstleister und Sicherheitsfirmen müssen neue Schutzmechanismen entwickeln, um mit der wachsenden Komplexität Schritt zu halten.

