Für Guido Löhr ist das Stadion am Zoo in Wuppertal weit mehr als nur ein Arbeitsplatz. Seit rund 20 Jahren kümmert sich der Stadionverwalter um die traditionsreiche Sportstätte. Doch seine Verbindung zum Stadion reicht viel weiter zurück und ist eng mit seiner Familie und seinem persönlichen Lebensweg verbunden.
Jeder Arbeitstag beginnt früh. Gegen sieben Uhr morgens trifft sich Löhr mit seinen Kollegen zu einer Tasse Kaffee. Danach startet die tägliche Kontrolle des Geländes. Das Team prüft die Technik, den Zustand der Bäume und den Rasen. Dabei achten die Mitarbeiter auf Schäden, heruntergefallene Äste oder andere mögliche Probleme.
Viele Abläufe sind inzwischen Routine. Nach zwei Jahrzehnten kennt Guido Löhr jeden Bereich des Stadions. Trotzdem bleibt die Arbeit abwechslungsreich. Kein Tag verläuft genau wie der andere.
Seine persönliche Geschichte mit dem Stadion begann jedoch schon lange vor seinem heutigen Beruf. Sein Vater arbeitete bereits seit 1972 als Stadionarbeiter im Stadion am Zoo. Damals hätte Guido Löhr nicht gedacht, dass er später selbst dort tätig sein würde.
Zunächst absolvierte er verschiedene Ausbildungen. Er lernte den Beruf des Bäckers, später den des Gärtners und arbeitete anschließend als Schwimmmeister bei der Stadt. Erst vor etwa 20 Jahren ergab sich die Möglichkeit, eine Stelle im Stadion zu übernehmen. Er nahm das Angebot an und trat damit indirekt in die Fußstapfen seines Vaters.
Die Verbindung seiner Familie zum Stadion endet dort nicht. Auch sein Sohn war später im Stadion tätig und arbeitete für einen Caterer bei Veranstaltungen. Für Löhr ist das Stadion deshalb ein Ort voller Erinnerungen und Familiengeschichten.
Besonders wichtig ist ihm jedoch ein ganz persönlicher Moment. Im Stadion lernte er seine spätere Ehefrau kennen. Sie war damals seine Vorgesetzte. Für ihn gehört diese Begegnung zu den bedeutendsten Ereignissen seines Lebens.
Neben den persönlichen Erinnerungen spielt die tägliche Arbeit eine große Rolle. Sauberkeit und Ordnung stehen für Löhr an erster Stelle. Besucher sollen sich vom ersten Moment an willkommen fühlen. Deshalb kümmert sich das Team um die Pflege des Rasens, die Reinigung der Anlage und die Sicherheit auf dem Gelände.
Im Winter bedeutet das oft Schneeräumen und die Sicherung von Wegen. An Spieltagen oder bei Veranstaltungen kommen zusätzliche Aufgaben hinzu. Flexibilität ist dabei besonders wichtig. Nach eigener Aussage lässt sich der Arbeitsalltag oft nur schwer planen.
Auch privat bleibt sein Blick stets auf den Zustand von Fußballstadien gerichtet. Wenn er Spiele im Fernsehen verfolgt, achtet er zuerst auf den Rasen. Die Qualität der Spielfläche, die Mäharbeiten und die Linienmarkierungen fallen ihm sofort auf. Als er den Rasen beim WM-Finale in New Jersey sah, zeigte er sich von dessen Zustand enttäuscht.
Mit dem Wuppertaler SV verbindet Guido Löhr ebenfalls eine lange Geschichte. Seine ersten Erinnerungen an das Stadion stammen aus der frühen Kindheit. Damals begleitete er seinen Vater zur Arbeit. Besonders faszinierte ihn die nahe vorbeifahrende Schwebebahn, die direkt am Stadion entlangführt.
Zu den vielen Erlebnissen seiner Zeit im Stadion gehört auch eine ungewöhnliche Szene aus dem Jahr 2011. Während eines Spiels gegen Fortuna Düsseldorf landete eine Ente auf dem Spielfeld. Da das Tier den Platz nicht verlassen wollte, wurde die Partie kurz unterbrochen. Schließlich gelang es Löhr, die Ente einzufangen und vom Feld zu tragen. Die Aktion sorgte bei den Zuschauern für viel Aufmerksamkeit und bleibt bis heute eine seiner bekanntesten Erinnerungen.
Auf die Frage nach seinem Lieblingsplatz im Stadion nennt er die Gegengerade. Dort könne er das gesamte Stadion überblicken und gleichzeitig etwas Ruhe genießen. Wenn er etwas verändern dürfte, würde er sich ein Dach über der Nordtribüne wünschen.
Eines darf seiner Meinung nach jedoch niemals verschwinden: die historische Hauptfassade des Stadions. Für ihn ist sie das Wahrzeichen der Anlage und ein wichtiges Symbol für Wuppertal.
Auch nach zwei Jahrzehnten empfindet Guido Löhr große Leidenschaft für seine Aufgabe. Das Stadion am Zoo ist für ihn nicht nur ein Arbeitsplatz. Es ist ein Ort voller Erinnerungen, Familiengeschichte und persönlicher Verbundenheit. Deshalb möchte er sich auch in Zukunft mit derselben Hingabe um dieses besondere Wahrzeichen kümmern.

