Die deutsche Bildungs- und Familienministerin Karin Prien von der CDU will eine neue Steuer auf den wirtschaftlichen Wert von künstlicher Intelligenz einführen. Der Vorschlag könnte große Folgen für US-Unternehmen haben. Viele von ihnen bieten KI-Dienste in Deutschland an oder nutzen die Technik für ihre Geschäfte. Noch sind die Pläne jedoch nicht ausgereift. Es gibt weder einen festen Steuersatz noch klare Regeln für die Umsetzung.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Deutschland den Wert besteuern soll, den KI schafft. Eine Abgabe auf Anbieter könnte vor allem große US-Technologiefirmen treffen. Eine breitere Steuer könnte auch andere Unternehmen erfassen, die KI einsetzen, um Waren und Dienste anzubieten. Damit könnte die Abgabe weit über die Tech-Branche hinausreichen.
Die USA haben in diesem Bereich einen großen Vorsprung. Laut dem KI-Bericht der Stanford University für 2026 beliefen sich die privaten KI-Investitionen in den USA im Jahr 2025 auf 285,9 Milliarden US-Dollar. In Europa waren es nur 20,9 Milliarden Dollar. Der große Unterschied zeigt, wie viel Kapital in den USA in die Entwicklung und Nutzung von KI fließt.
Eine neue Steuer in Deutschland könnte die Gewinne amerikanischer Anbieter senken. Sie könnte zudem die Preise für ihre Kunden erhöhen. Firmen, die KI nutzen, um ihre Arbeit schneller und günstiger zu machen, müssten dann womöglich mehr zahlen. Dadurch könnte ein Teil der Vorteile verloren gehen, die neue Technik für die Wirtschaft bietet.
Bislang gibt es keinen konkreten Plan der Regierungskoalition. Auch die genaue Steuerbasis ist offen. Prien spricht vom Wert, der durch KI entsteht. Digitalminister Karsten Wildberger hat dagegen eine mögliche Abgabe auf Einnahmen aus KI angesprochen. Die beiden Ansätze könnten unterschiedliche Folgen haben.
Eine Steuer auf KI-Anbieter würde vor allem Unternehmen treffen, die solche Dienste verkaufen. Eine Steuer auf Einnahmen könnte auch Firmen erfassen, die mit Hilfe von KI Geld verdienen. Eine Abgabe auf den geschaffenen Wert wäre noch breiter angelegt. Sie könnte Unternehmen betreffen, die KI nur als Teil ihrer täglichen Arbeit nutzen.
Frühere Erfahrungen mit digitalen Steuern in Europa zeigen, warum die Pläne genau geprüft werden sollten. Frankreich führte 2019 eine Steuer auf digitale Dienste ein. Die US-Handelsbehörde untersuchte die Maßnahme und stellte fest, dass 17 der 27 betroffenen Unternehmensgruppen aus den USA stammten. Nach ihrer Einschätzung benachteiligten die Regeln amerikanische Digitalfirmen.
Eine neue KI-Steuer könnte die Belastung für US-Unternehmen in Europa weiter erhöhen. Firmen mit steuerpflichtigen Geschäften in Deutschland zahlen bereits Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer. Zudem müssen große digitale Plattformen die Vorgaben des EU-Gesetzes über digitale Märkte einhalten. Zu den betroffenen Konzernen zählen Alphabet, Amazon, Apple, Meta und Microsoft.
Weitere Kosten könnten sich auf kleinere Unternehmen auswirken. Viele nutzen digitale Plattformen, um Waren zu verkaufen und Kunden zu erreichen. Bei der Untersuchung der französischen Digitalsteuer warnte Amazon, dass die Gebühren für Händler steigen könnten. Das hätte besonders kleine US-Unternehmen getroffen, die ihre Waren in Frankreich anbieten.
Ein ähnlicher Effekt wäre bei einer deutschen KI-Steuer möglich. Anbieter könnten die zusätzlichen Kosten an ihre Kunden weitergeben. Unternehmen müssten dann mehr für KI-Dienste zahlen, selbst wenn sie die Technik nicht selbst entwickeln. Höhere Preise könnten dazu führen, dass Firmen weniger in neue Lösungen investieren.
Auch die Berechnung des steuerpflichtigen Werts könnte schwierig werden. Unternehmen müssten womöglich feststellen, welcher Teil ihrer Einnahmen auf KI zurückgeht. Dabei müssten sie den Beitrag von Mitarbeitern, herkömmlicher Software und Maschinen berücksichtigen. Das könnte neue Pflichten bei der Buchführung schaffen und zu Streit mit den Finanzbehörden führen.
Der Aufwand würde damit nicht nur aus der Steuer selbst bestehen. Firmen müssten möglicherweise zusätzliche Daten sammeln, ihre Abläufe prüfen und neue Berichte erstellen. Gerade kleinere Betriebe könnten dadurch stärker belastet werden.
Auch Washington beobachtet ausländische Digitalsteuern mit Sorge. Ein Memorandum des Weißen Hauses vom Februar 2025 forderte eine Prüfung ausländischer Steuern und Regeln, die amerikanische Unternehmen besonders stark belasten könnten. Eine deutsche KI-Steuer könnte deshalb auch für die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland wichtig werden.
Die deutsche Regierung muss nun abwägen, ob eine solche Abgabe sinnvoll ist und wie sie gestaltet werden könnte. US-Politiker dürften auf faire Regeln für amerikanische Firmen drängen. Zugleich muss Deutschland mögliche Folgen für Investitionen, Preise und den Einsatz neuer Technik bedenken.
Solange die Regierung keine genauen Regeln vorlegt, bleiben die Folgen unklar. Entscheidend wird sein, welche Unternehmen zahlen müssen und wie der Wert von KI berechnet wird. Eine zu breite Steuer könnte nicht nur große Technologiekonzerne treffen. Auch kleine Unternehmen und ihre Kunden könnten am Ende höhere Kosten tragen.

