Deutschland wird erstmals an einer französischen Übung zur nuklearen Abschreckung teilnehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte den Schritt am 17. Juli nach Gesprächen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an. Die Teilnahme soll noch in diesem Jahr erfolgen.
Merz erklärte, deutsche konventionelle Streitkräfte würden an einer französischen Atomübung teilnehmen. Dabei geht es nicht um den Einsatz deutscher Atomwaffen. Die Bundeswehr soll vielmehr an der Übung mit konventionellen Kräften beteiligt sein.
Der Schritt ist Teil einer engeren Zusammenarbeit zwischen Berlin und Paris. Beide Länder wollen ihre Verteidigungspolitik stärker verbinden. Dabei spielt die französische Strategie zur nuklearen Abschreckung eine wichtige Rolle.
Die geplante Übung soll nach bisherigen Berichten zur französischen Reihe Poker gehören. Diese Übung findet regelmäßig statt. Frankreich trainiert dabei den möglichen Einsatz seiner nuklearen Luftstreitkräfte. Die deutschen Kräfte werden dabei keine Atomwaffen einsetzen.
Bei Poker kommen unter anderem französische Rafale-Kampfjets zum Einsatz. Die Flugzeuge können nukleare Marschflugkörper tragen. Die Übung umfasst auch Luftbetankungen und weitere Flugmanöver. Die Waffen werden dabei nicht mit einem echten nuklearen Sprengkopf eingesetzt.
Deutschland und Frankreich hatten bereits im März einen gemeinsamen Lenkungskreis für nukleare Fragen gegründet. Das Gremium soll strategische Fragen und militärische Übungen abstimmen. Die neue Übung ist ein weiterer Schritt dieser Zusammenarbeit.
Bereits am 16. Juli führten deutsche und französische Streitkräfte eine gemeinsame Luftübung durch. Beteiligt waren französische Rafale und deutsche Eurofighter. Ein A330 MRTT unterstützte die Übung bei der Luftbetankung. Dabei wurden keine Atomwaffen eingesetzt.
Merz betonte, dass die Zusammenarbeit mit Frankreich die deutsche Rolle in der NATO nicht ersetzen soll. Deutschland bleibe an der nuklearen Teilhabe des Bündnisses beteiligt. Die französische Zusammenarbeit soll diese Verpflichtung ergänzen.
Für Frankreich hat die Zusammenarbeit eine größere Bedeutung. Paris will seine eigene nukleare Abschreckung stärker in die europäische Sicherheitsdebatte einbringen. Macron hatte bereits im März weitere europäische Partner zu einer engeren Zusammenarbeit eingeladen.
Macron bezeichnete Deutschland als wichtigen Partner bei der europäischen Abschreckung. Er sieht Berlin dabei in einer führenden Rolle. Die Zusammenarbeit soll auch das Vertrauen zwischen den Streitkräften beider Länder erhöhen.
Deutschland verfolgt zugleich einen großen Ausbau seiner Streitkräfte. Die neue deutsche Verteidigungsstrategie setzt das Ziel, die stärkste konventionelle Armee Europas aufzubauen. Russland wird darin als größte Bedrohung für Europa genannt.
Die Sicherheitslage hat sich seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine stark verändert. Deutschland und andere europäische Staaten wollen deshalb ihre militärischen Fähigkeiten ausbauen. Auch die Frage nach einer stärkeren europäischen Verantwortung für die Verteidigung gewinnt an Bedeutung.
Die USA haben zugleich eine neue Prüfung ihrer militärischen Präsenz in Europa angekündigt. Washington will von den europäischen Staaten mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit sehen. Diese Entwicklung erhöht den Druck auf die europäischen NATO-Mitglieder.
Deutschland bleibt dennoch eng an die NATO gebunden. Das Land beteiligt sich bereits an der nuklearen Abschreckung des Bündnisses. In mehreren NATO-Staaten lagern US-Atomwaffen im Rahmen der nuklearen Teilhabe. Deutschland gehört zu diesem System.
Die Zusammenarbeit mit Frankreich bedeutet daher keinen vollständigen Wechsel der deutschen Sicherheitsstrategie. Vielmehr versucht Berlin, mehrere Sicherheitsstrukturen miteinander zu verbinden. Die NATO bleibt wichtig. Zugleich soll die Zusammenarbeit mit Frankreich erweitert werden.
Frankreich führt auch Gespräche mit anderen europäischen Staaten. Dazu gehören Schweden und Polen. Paris will damit eine breitere europäische Diskussion über nukleare Abschreckung fördern.
Für Deutschland ist die geplante Teilnahme trotzdem ein politisch wichtiger Schritt. Frühere deutsche Regierungen waren bei einer engeren Zusammenarbeit mit der französischen Atomstrategie zurückhaltend. Unter Merz hat sich die Debatte deutlich verändert.
Die geplante Übung soll zeigen, wie deutsche und französische Streitkräfte enger zusammenarbeiten können. Dabei geht es vor allem um gemeinsame Abläufe und bessere Abstimmung. Ein gemeinsames europäisches Konzept könnte daraus später entstehen.
Merz sagte, es sei noch zu früh, von einer neuen gemeinsamen Doktrin zu sprechen. Die Zusammenarbeit werde Schritt für Schritt entwickelt. Die erste deutsche Teilnahme an einer französischen Atomübung ist damit vor allem ein Zeichen für die wachsende militärische Nähe zwischen Berlin und Paris.

