Nick Woltemade galt vor etwas mehr als einem Jahr als eines der spannendsten Talente im internationalen Fußball. Mit starken Leistungen beim VfB Stuttgart und in der deutschen U21 machte er auf sich aufmerksam. Der Wechsel in die Premier League sollte der nächste Schritt seiner Karriere sein. Doch seitdem ist es für den deutschen Stürmer schwieriger geworden.
Auch bei Juventus läuft es nach seinem Wechsel auf Leihbasis im vergangenen Sommer bislang nicht wie erhofft. Woltemade konnte noch nicht richtig überzeugen. Deshalb wird zunehmend darüber diskutiert, ob ihm die nötige Qualität fehlt oder ob die taktischen Vorgaben seine Stärken einschränken.
Der Transfermarkt-Experte Aniello Luciano sieht vor allem ein taktisches Problem. Nach seiner Einschätzung passen die Vorstellungen von Trainer Luciano Spalletti nicht ausreichend zu den Möglichkeiten des Spielers und den Bedingungen im Kader von Juventus. Die Kritik an Woltemade könnte deshalb zu kurz greifen.
Mit einer Größe von 1,98 Metern erinnert Woltemade auf den ersten Blick an einen klassischen Mittelstürmer. Von einem Spieler mit diesen körperlichen Voraussetzungen erwarten viele, dass er Zweikämpfe gewinnt, hohe Bälle verarbeitet und im Strafraum seine Kopfballstärke einsetzt.
Doch Woltemades Spiel ist vielseitiger. Zu seinen Stärken zählen die Ballbehauptung, das Zusammenspiel mit seinen Mitspielern und seine Fähigkeit, Angriffe vorzubereiten. Er kann sich aus engen Situationen lösen und durch seine Bewegungen Räume für andere Spieler schaffen.
Diese Qualitäten waren bereits während seiner Zeit beim VfB Stuttgart zu sehen. Auch in der deutschen Nationalmannschaft zeigte er, dass er mehr kann, als nur auf Zuspiele im Strafraum zu warten.
Wenn ein Trainer ihn vor allem als körperlich starken Zielspieler einsetzt, können wichtige Teile seines Spiels verloren gehen. Genau darin könnte ein Grund für die bisherigen Schwierigkeiten bei Juventus liegen.
Die aktuelle Situation erinnert an Woltemades Zeit bei Newcastle. Dort wurde der deutsche Angreifer nach Einschätzung seiner Kritiker zu weit ins zentrale Mittelfeld zurückgezogen. Dadurch fehlte ihm teilweise die Nähe zum gegnerischen Tor.
Bei Juventus scheint sich das Problem in einer anderen Form zu zeigen. Statt ihn zu weit nach hinten zu stellen, könnte der Verein von ihm zu sehr die Rolle eines klassischen Neuners verlangen. Beide Ansätze könnten dazu führen, dass Woltemade seine Stärken nicht voll ausspielen kann.
Der deutsche Stürmer braucht ein Umfeld, in dem Bewegung und Kombinationen eine wichtige Rolle spielen. Besonders hilfreich sind dynamische Offensivspieler, die Räume nutzen und mit ihm zusammenspielen können.
Ein Beispiel dafür ist Florian Wirtz. Während der jüngsten Länderspielpause war Woltemade Teil einer offensiven Formation mit dem deutschen Nationalspieler. Zwar gelangen ihm dabei keine direkten Torbeteiligungen, doch seine spielerischen Fähigkeiten waren weiterhin erkennbar.
Das zeigt, dass fehlende Tore allein kein vollständiges Bild seiner Leistung liefern. Auch die Rolle eines Stürmers im Spielaufbau und bei der Vorbereitung von Angriffen kann entscheidend sein.
Für Juventus stellt sich nun die Frage, wie Woltemade am besten eingesetzt werden kann. Trainer Luciano Spalletti muss entscheiden, welche Aufgaben dem Angreifer helfen, seine Fähigkeiten einzubringen. Dabei kommt es auch auf die Abstimmung mit den übrigen Offensivspielern an.
Ein neuer Verein und ein anderes Spielsystem verlangen oft eine gewisse Eingewöhnungszeit. Ein schwacher Start bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Transfer gescheitert ist. Dennoch wächst der Druck, wenn die erwarteten Leistungen ausbleiben.
Sollte Juventus keine passende Rolle für Woltemade finden, könnte seine Zukunft in Italien unsicher werden. Eine Rückkehr in die Bundesliga wäre dann eine mögliche Option. Dort hatte er beim VfB Stuttgart unter Trainer Sebastian Hoeneß bereits gezeigt, welches Niveau er erreichen kann.
Noch ist es jedoch zu früh, den Angreifer als Fehleinkauf oder gescheitertes Talent einzustufen. Entscheidend wird sein, ob Juventus seine Spielweise an Woltemades Fähigkeiten anpasst und ihm genügend Vertrauen gibt.
Die Diskussion dreht sich deshalb nicht allein um seine Qualität. Sie wirft auch die Frage auf, ob der Verein den richtigen Weg gefunden hat, um das Potenzial des deutschen Stürmers zu nutzen.

