Der Handelskonzern Otto steht vor einem tiefgreifenden Umbau, der mit radikalen Stellenstreichungen einhergeht. Insgesamt sollen knapp 460 Vollzeitstellen abgebaut werden. Diese schwierige Entscheidung resultiert aus mehrmonatigen Verhandlungen mit dem Betriebsrat und ist Teil einer umfassenden Restrukturierung. Ziel ist es, den Konzern zukunftsfähig zu machen und auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Die Nachrichten über den Personalabbau verbreiten sich schnell in Hamburg und darüber hinaus, da Otto ein bedeutender Arbeitgeber ist.
Der Umbauprozess im Hamburger Handels- und Versandkonzern läuft bereits seit Anfang des Jahres, als externe Berater begannen, die internen Strukturen systematisch zu analysieren. Diese Maßnahmen sollen zu erheblichen Kostensenkungen von 110 Millionen Euro führen. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Programms ist der Personalabbau, der sich durch verschiedene Abteilungen des Konzerns zieht. Bereits im vergangenen Jahr wurden im Kundenservice 480 Arbeitsplätze in den Callcentern gestrichen, ein Vorbote der aktuellen Entwicklungen.
Der Hintergrund für diese drastischen Schritte ist der Wandel im Kundenverhalten: Der telefonische Kontakt verliert zunehmend an Bedeutung zugunsten von Self-Service-Angeboten, Apps und digitalen Kanälen. Die bisherigen Callcenter-Strukturen sind daher nicht mehr rentabel. Strategisch richtet sich Otto neu aus, indem das klassische Versandgeschäft weniger Gewicht erhält und stattdessen das Marktplatz- und Plattformgeschäft massiv ausgebaut sowie Prozesse stärker digitalisiert werden sollen. Konkrete Veränderungen sind im Marketing, Controlling und in den Tech-Bereichen vorgesehen, wobei detaillierte Pläne und Namenslisten noch ausstehen, was eine große Unsicherheit für viele Beschäftigte bedeutet.
Otto hat zugesichert, die anstehenden Veränderungen “so fair, respektvoll, transparent und sozialverträglich wie möglich” zu gestalten. Für die betroffenen Mitarbeiter werden Altersteilzeit- und Abfindungsangebote bereitgestellt. Zudem besteht die Möglichkeit eines Wechsels in eine Transfergesellschaft. Solche Gesellschaften übernehmen Arbeitnehmer befristet, qualifizieren sie weiter und unterstützen sie bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Diese Maßnahmen sollen die sozialen Folgen des Stellenabbaus abfedern und den Übergang für die betroffenen Fachkräfte erleichtern.

