Das Festkomitee Kölner Karneval hat erste Entwürfe für die Motivwagen des Rosenmontagszugs 2023 vorgestellt, die erneut für politische Schärfe und Satire stehen. Einer der prominentesten Wagen widmet sich der AfD: Eine blaue Schlange im Stil der Python Kaa aus dem »Dschungelbuch« umschlingt darauf einen »deutschen Michel«. Nach Deutung des Festkomitees lässt sich der Michel von der AfD »politisch hypnotisieren«. Diese Darstellung unterstreicht die Tradition des Kölner Karnevals, aktuelle politische und gesellschaftliche Debatten humorvoll, aber kritisch aufzugreifen und zu kommentieren. Die Enthüllung der Wagen sorgt bereits vor dem Zug für Gesprächsstoff und zeigt die Relevanz des Karnevals als Spiegel der Zeit. Die Botschaft ist klar: Wachsamkeit gegenüber populistischen Strömungen ist geboten.
Ein weiterer, international beachteter Wagen zeigt US-Präsident Donald Trump mit heruntergelassener Hose und einem nackten Gesäß, übersät mit Küssen von Institutionen wie der Nato, der EU und der Fifa. Die Karnevalisten kritisieren damit, dass diese Organisationen »willfährig angekrochen« kämen, um Trump Ehre zu erweisen. Darüber hinaus werden weitere globale und nationale Themen aufgegriffen, darunter die Aufrüstung, die Zukunft Grönlands und die Künstliche Intelligenz. Auch die internen Streitereien der Bundesregierung zwischen Union und SPD werden persifliert, etwa mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) in Sadomaso-Outfits, die sich gegenseitig Schmerzen zufügen. Diese Vielfalt zeigt das breite Spektrum der Karnevalssatire, die keine Tabus kennt.
Neben den bundes- und weltpolitischen Themen kommen auch Kölner Lokalthemen nicht zu kurz. Wagen sollen unter anderem die Olympiapläne der Stadt oder den 150. Geburtstag des ehemaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer würdigen. Auffällig ist das Fehlen eines Wagens zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Dies sei jedoch keine Geste des »Kuschens«, wie Zugleiter Marc Michelske betont, sondern eine bewusste Entscheidung aus Solidarität mit dem Düsseldorfer Karnevalisten Jacques Tilly. Gegen Tilly läuft in Russland ein Strafverfahren wegen seiner kritischen Karnevalswagen. Köln möchte die volle Aufmerksamkeit für Tillys mutige Wagen in Düsseldorf lassen.
Der Kölner Rosenmontagszug wird am 16. Februar durch die Millionenstadt rollen und verspricht erneut eine bunte und zugleich kritische Mischung aus Humor, Satire und gesellschaftlicher Reflexion. Die vorab präsentierten Entwürfe geben einen Vorgeschmack auf die Kreativität und den politischen Biss, den die Kölner Karnevalisten Jahr für Jahr beweisen. Sie nutzen die größte Bühne der Stadt, um klare Botschaften zu senden und die Bürger zum Nachdenken anzuregen – getreu dem Motto: »Jeder Jeck is anders, aber die Botschaft ist klar.«

