Der lang erwartete Kinofilm “On the Wave” über das Leben des deutschen Big-Wave-Surfers Sebastian Steudtner feiert seine Premiere. Die Produktion verspricht atemberaubende Aufnahmen der gigantischen Wellen von Nazaré, die wie geschaffen für die große Leinwand sind. Surferfilme haben sich längst als eigenes Genre etabliert, bekannt für ihre visuelle Wucht und die Faszination für die Urgewalt des Ozeans, von Klassikern wie “Gefährliche Brandung” bis hin zu bahnbrechenden Dokumentationen wie “The Endless Summer”. “On the Wave” reiht sich in diese Tradition ein und versucht, die Geschichte eines außergewöhnlichen Sportlers zu erzählen, dessen Leidenschaft ihn von der “Surfprovinz” Nürnberg bis zu den gefährlichsten Wellen der Welt führte. Die Bilder der brechenden Monsterwogen sind zweifellos beeindruckend und stellen einen zentralen Anziehungspunkt des Films dar.
Sebastian Steudtners Weg ist bemerkenswert: Als 16-Jähriger zog er allein nach Hawaii, um dort seinen Traum vom Surfen zu verwirklichen und sich die Anerkennung der etablierten Szene zu ersurfen. Er ist der Weltrekordhalter, der 2020 in Nazaré eine 26 Meter hohe Welle ritt, und in Deutschland ein kleiner Medienstar, vergleichbar mit Boris Herrmann im Segelsport. Der Film beleuchtet diese bekannte Geschichte seines Aufstiegs und der Erfüllung eines Kindheitstraums, reichert sie jedoch nur sparsam mit neuen Erkenntnissen an. Zuschauer werden erneut Zeuge seiner früheren Demütigungen als “Stiefsohn von Hitler” in Los Angeles, doch eine tiefere Auseinandersetzung mit diesen Erfahrungen oder Steudtners innerer Motivation bleibt weitgehend aus.
Ein besonderes Augenmerk des Films liegt auf den prominenten Namen hinter den Kulissen. Unter den “Executive Producers” finden sich Wladimir Klitschko und Fußballtrainer Jürgen Klopp. Während Klitschko über Produzent Leopold Hoesch und dessen Firma Broadview TV, einem Spezialisten für Sportfilme, eine Verbindung zum Filmgeschäft hat, ist Klopps Beteiligung persönlicher Natur. Er ist ein Buddy von Steudtner, lud ihn einst zum FC Liverpool ein, um über Grenzerfahrungen zu sprechen, und gratulierte ihm zum Weltrekord per Video. Klopps Präsenz, die auch durch Instagram- und TikTok-Schnipsel im Vorfeld beworben wurde, in der er Steudtner als “außergewöhnlichen Typ” preist, dient zweifellos auch als Marketinginstrument und unterstreicht die Popularität des Surfers.
Trotz der beeindruckenden Bilder der gigantischen Wellen und der prominenten Unterstützung vermag “On the Wave” die Spannung über seine 120 Minuten Laufzeit nicht durchgehend zu halten. Der Film wiederholt sich in seiner Darstellung der Wellen und verpasst es, Sebastian Steudtner auf einer tieferen, persönlicheren Ebene zu ergründen. Fragen nach seiner wahren Motivation, den inneren Antrieben oder den Auswirkungen seiner extremen Erfahrungen bleiben oft unbeantwortet. Obwohl Zitate wie “Im Wasser bin ich frei” fallen, gelingt es dem Film nicht, dem Zuschauer die Person hinter dem Extremsportler wirklich nahezubringen. Es ist ein Film, der Fans des Sports und Steudtners visuell beeindrucken mag, aber eine tiefere emotionale oder psychologische Ebene vermissen lässt und somit eher an der Oberfläche bleibt.

