Ungarn hat trotz der Freilassung von sieben Mitarbeitern der ukrainischen Oschadbank beschlagnahmtes Bargeld und Gold im Wert von rund 69 Millionen Euro einbehalten. Die Festnahmen erfolgten, als die Bankangestellten Euro- und Dollarscheine sowie neun Kilogramm Goldbarren von Österreich in die Ukraine transportierten. Am Donnerstag wurden die Ukrainer festgenommen, konnten jedoch am Freitag in ihre Heimat zurückkehren. Die Wertsachen wurden bisher nicht zurückgegeben, wie der Chef der ukrainischen Zentralbank, Andryj Pyschnyj, erklärte.
Pyschnyj bezeichnete die Situation als »unfassbar« und betonte, Kyjiw arbeite intensiv daran, die Ladung schnellstmöglich zurückzuerhalten. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sprach sogar davon, die Mitarbeiter seien von Budapest »als Geiseln genommen« worden. Diese scharfe Reaktion unterstreicht die tiefe Besorgnis der Ukraine über das Vorgehen Ungarns und deutet auf eine gezielte Provokation hin, die weit über einen Routinevorgang hinausgeht. Die fehlende Rückgabe der Vermögenswerte wird als weitere Eskalation im angespannten bilateralen Verhältnis wahrgenommen.
Budapest begründet die Festnahmen mit Ermittlungen wegen Geldwäscheverdachts. Kyjiw hingegen sieht darin eine Vergeltungsmaßnahme für die verzögerte Wiederinbetriebnahme der Druschba-Pipeline, die russisches Öl durch die Ukraine nach Ungarn leitet. Diese widersprüchlichen Darstellungen verdeutlichen die tiefe politische Spaltung zwischen den beiden Ländern. Die Ukraine interpretiert das ungarische Vorgehen als direkten Druckversuch im Kontext des Energiekonflikts, während Ungarn versucht, den Vorfall als legitime Strafverfolgung darzustellen.
Die Beziehungen zwischen Budapest und Kyjiw sind seit Langem angespannt, nicht zuletzt wegen der engen Verbindungen des rechtsnationalistischen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Spannungen verschärften sich, nachdem die Druschba-Pipeline im Januar bei einem russischen Angriff beschädigt und stillgelegt wurde. Ungarn und die Slowakei werfen der Ukraine vor, Reparaturen zu verzögern. Als Reaktion blockiert Orbán derzeit ein EU-Darlehen von 90 Milliarden Euro für die Ukraine sowie ein neues Sanktionspaket gegen Russland, was die Situation zusätzlich kompliziert und die Ukraine in einer kritischen Phase des Krieges unter Druck setzt.
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