Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, umgangssprachlich die “Wirtschaftsweisen”, hat mit einer ungewöhnlich scharfen Erklärung auf das Ende der Amtszeit von Ulrike Malmendier reagiert. Die Ratsmitglieder äußerten “große Verwunderung und allergrößtes Bedauern” darüber, dass Malmendiers Mandat nach nur dreieinhalb Jahren nicht verlängert wird. Diese öffentliche Stellungnahme, am Sonntag veröffentlicht, verdeutlicht die interne Brisanz der Personalie. Malmendier selbst sprach ebenfalls von “großem Bedauern”. Medienberichte weisen auf Widerstand im CDU-geführten Bundeswirtschaftsministerium gegen eine Verlängerung hin, was die politische Dimension der Entscheidung und mögliche Einflussnahmen auf das unabhängige Gremium betont.
Die kollektive Fassade der “Wirtschaftsweisen” bröckelte schnell, als Veronika Grimm, ein Mitglied des Sachverständigenrats, sich öffentlich distanzierte. Grimm erklärte am Morgen auf X: “Ich habe dem Statement nicht zugestimmt.” Sie begründete dies mit der Rechtslage: Die personelle Besetzung sei Sache der Politik, nicht des Rates. “Eine öffentliche Stellungnahme des Rates zu seiner eigenen personellen Zusammensetzung gehört daher nicht zu seinem Mandat”, so Grimm. Diese klare Abgrenzung unterstreicht die bereits als angespannt geltende Beziehung zwischen Grimm und den anderen Ratsmitgliedern. Grimm ist bekannt für ihre oft abweichenden Meinungen und häufigen Minderheitsvoten in Gutachten.
Die Nicht-Verlängerung von Ulrike Malmendiers Mandat scheint das Resultat koalitionsinterner Auseinandersetzungen zu sein, die die Topökonomin zum “Spielball” politischer Interessen machen. Auch Veronika Grimm steht nicht nur wegen ihrer Minderheitsvoten, sondern auch aufgrund ihrer Position im Aufsichtsrat von Siemens Energy in der Kritik. Indes gibt es bereits Spekulationen über Malmendiers Nachfolge: Laut “Frankfurter Allgemeine Zeitung” und “Handelsblatt” soll Gabriel Felbermayr, der Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung und ehemalige Chef des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, neuer Wirtschaftsweiser werden. Das Wirtschaftsministerium wollte sich zu diesen Berichten noch nicht äußern.
Die Personalrochade könnte sich im Sachverständigenrat fortsetzen. Medienberichte legen nahe, dass auch Veronika Grimms Amtszeit, die im Frühjahr 2027 endet, nicht verlängert werden soll. Dies würde eine tiefgreifende Neuformierung des Gremiums bedeuten. Für Grimm zeichnet sich jedoch eine neue berufliche Perspektive ab: Das “Handelsblatt” berichtet von guten Chancen, dass sie neue Präsidentin am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen wird. Der Fall Malmendier und Grimms öffentliche Opposition verdeutlichen die komplexen Schnittstellen zwischen wissenschaftlicher Beratung und politischem Kalkül innerhalb des wichtigen Gremiums, das die Bundesregierung berät.

