Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer hat eine hitzige politische Debatte angestoßen, indem sie am 24. Februar ein Video des baden-württembergischen CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel teilte. Der Clip, ursprünglich ein Interview aus dem Jahr 2018 mit dem Lokalsender Regio TV Schwaben, zeigt Hagel, wie er eine Begegnung in einer Realschule beschreibt. Er erwähnt, dass 80 Prozent der Klasse Mädchen waren und dies für einen damals 29-jährigen Abgeordneten “schlimmere Termine” gäbe. Besonders hervorgehoben wird seine detaillierte Beschreibung der ersten Fragestellerin: “Sie hieß Eva. Braune Haare, rehbraune Augen.” Seit der Veröffentlichung durch Mayer hat das Video Millionen von Aufrufen generiert und Hagel in die Defensive gedrängt, mitten im Landtagswahlkampf von Baden-Württemberg. Der virale Erfolg übertraf sogar Mayers Erwartungen und beweist die enorme Resonanz, die das Thema ausgelöst hat.
Zoe Mayer erklärte ihre Motivation für das Teilen des Clips mit einem tiefen Gefühl des Ekels. Sie gab an, solche Erfahrungen als Mädchen in der Politik selbst häufig gemacht zu haben – nicht ernst genommen zu werden, Kommentare zum Aussehen zu erhalten und dass Sachfragen in den Hintergrund treten. Mayer rang eigenen Angaben zufolge lange mit der Entscheidung, das Video zu veröffentlichen. Sie überlegte, ob sie es nach der Wahl teilen oder es gar nicht tun sollte, doch das Thema machte sie “extrem sauer”. Die Flut an Nachrichten, die sie seit der Veröffentlichung erhalten hat, bestärkt sie in ihrer Entscheidung, diesen Schritt gegangen zu sein. Ihr persönliches Erleben und die Frustration über die wiederkehrenden Muster waren ausschlaggebend für ihre Aktion.
Angesichts der breiten öffentlichen Empörung hat Manuel Hagel sich inzwischen von seinen Aussagen distanziert und sie als “Mist” bezeichnet. Trotzdem entbrannte innerhalb der Grünen eine interne Diskussion über den Umgang mit der Situation. Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen in Baden-Württemberg und potenzieller Koalitionspartner Hagels, nahm diesen in Schutz und äußerte die Vermutung, Hagel würde solche Dinge heute sicherlich nicht mehr so formulieren. Mayer bestätigte auf Nachfrage, dass sie ihre Aktion nicht mit Özdemir abgesprochen hatte und ihre Entscheidung “eigenständig” getroffen hat. Sie vermutet, dass Özdemir mit seiner Reaktion “eine Brücke bauen” wollte, während sie ihre eigene Stimme unabhängig einsetzte, um das aus ihrer Sicht wichtige Thema anzusprechen.
Für Zoe Mayer geht es bei der Veröffentlichung des Videos um weit mehr als nur diese eine umstrittene Interview-Szene oder die Auswirkungen auf den aktuellen Wahlkampf. Ihr primäres Anliegen ist es, eine breitere Debatte über Sexismus in der Politik anzustoßen, insbesondere gegenüber jüngeren Frauen. Sie berichtet von wiederholten sexistischen Kommentaren im Bundestag, die viele Frauen einschüchtern. Mit ihren 30 Jahren erlebt sie dies im politischen Alltag “sehr viel häufiger, als sie es gern hätte.” Mayer betont, dass es nicht darum geht, die Geschehnisse eins zu eins zu bewerten, sondern darum, wie junge Frauen und Mädchen in der Politik besser unterstützt werden können, damit sie keine negativen Erfahrungen machen und sich nicht frühzeitig zurückziehen müssen. Es ist ein Aufruf zu einem strukturellen Wandel und mehr Respekt.

