Saudi-Arabien hat umfangreiche Investitionen in Syrien angekündigt, um den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes zu unterstützen. Der saudische Investitionsminister Khalid al-Falih enthüllte die Gründung des Elaf-Fonds, der Großprojekte in Syrien durch private saudische Investoren finanzieren soll. Eine Initialzusage von 7,5 Milliarden Rial, umgerechnet zwei Milliarden US-Dollar, ist speziell für den Ausbau zweier Flughäfen in Aleppo vorgesehen. Parallel dazu wurde eine strategische Partnerschaft zwischen dem saudischen Billigflieger Flynas und der syrischen Zivilluftfahrtbehörde besiegelt. Diese Kooperation mündet in die Gründung der neuen Fluggesellschaft “flynas Syria”, an der Syrien 51 Prozent und Flynas 49 Prozent der Anteile halten wird. Der operative Betrieb der neuen Airline wird voraussichtlich im vierten Quartal 2026 starten und soll die Konnektivität und den Luftverkehr in Syrien erheblich verbessern.
Über den Luftfahrtsektor hinaus haben beide Länder eine weitreichende Zusammenarbeit im Bereich der Wasserwirtschaft vereinbart. Ein zentrales Projekt ist der geplante Bau einer Meerwasserentsalzungsanlage. Diese Anlage soll Süßwasser von der syrischen Küste in die südlichen Regionen des Landes leiten, um die Wasserversorgung in wasserarmen Gebieten nachhaltig zu sichern. Diese umfassenden Investitionspläne stellen die bisher höchsten finanziellen Engagements dar, die seit der Aufhebung der US-Sanktionen gegen Syrien im Dezember getätigt wurden. Die jahrelangen Sanktionen hatten den wirtschaftlichen Wiederaufbau und die Entwicklung Syriens nach dem verheerenden 14-jährigen Bürgerkrieg massiv behindert, weshalb diese neuen Finanzierungen als wichtiger Katalysator für die Erholung gelten.
Saudi-Arabien positioniert sich dabei als ein entscheidender Unterstützer des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa. Al-Sharaa hatte im Dezember 2024 mit seinen islamistischen Verbänden der HTS den langjährigen syrischen Machthaber Baschar al-Assad gestürzt und diesen ins Exil nach Moskau vertrieben. Der Machtwechsel markiert eine signifikante Zäsur in der syrischen Politik und öffnet offenbar neue Türen für internationale Beziehungen und Investitionen, insbesondere aus den Golfstaaten. Die saudische Unterstützung für die neue syrische Führung unterstreicht die veränderten geopolitischen Dynamiken in der Region und signalisiert einen Wandel in der regionalen Herangehensweise an Syrien nach dem Ende des Bürgerkriegs und der Ära Assad.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Saudi-Arabien Investitionen in Syrien in Höhe von 6,4 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Allerdings gab es im letzten Jahr auch Kritik an den syrischen Regierungsplänen. Skeptiker bemängelten, dass viele der vielversprechenden Ankündigungen auf bloßen Absichtserklärungen mit ausländischen Investoren beruhten und noch in verbindliche Verträge umgesetzt werden müssten. Die jetzigen konkreten Zusagen, insbesondere für die Flughafenprojekte und die Fluggesellschaft, deuten jedoch auf eine zunehmende Konkretisierung und Verbindlichkeit der Investitionspläne hin. Es bleibt abzuwarten, wie schnell diese Projekte realisiert werden und welche weiteren Schritte zur Stabilisierung und zum Wiederaufbau Syriens folgen werden.

