SPD-Chef Lars Klingbeil, Vizekanzler und Finanzminister, hat sich nachdrücklich für einen gemeinsamen Kandidaten von Union und SPD für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausgesprochen. Klingbeil betonte gegenüber den “Nürnberger Nachrichten”, dass es “erst einmal darum geht, dass wir als Koalition einen gemeinsamen Vorschlag machen”. Darüber hinaus äußerte der SPD-Co-Vorsitzende den Wunsch, dass das höchste Staatsamt erstmals von einer Frau besetzt wird, da es hierfür “höchste Zeit” sei. Diese Forderung unterstreicht Klingbeils Vision einer breiten politischen Einigung und einer fortschrittlichen Besetzung des repräsentativsten Amtes in Deutschland. Seine Bemühungen zielen darauf ab, parteiübergreifende Geschlossenheit in einer wichtigen nationalen Frage zu demonstrieren.
Die zweite Amtszeit von Bundespräsident Steinmeier endet offiziell am 18. März 2027, wobei eine Wiederwahl ausgeschlossen ist. Ein festes Datum für die Bundespräsidentenwahl steht noch aus, doch intern streben Union und SPD laut SPIEGEL-Informationen den 30. Januar 2027 an. Eine offizielle Bestätigung durch den Bundestag steht noch aus, mit einer Entscheidung, die voraussichtlich im Ältestenrat des Bundestags in der kommenden Woche fallen soll. Ein gemeinsamer Vorschlag wäre ein deutliches Signal der Zusammenarbeit, insbesondere im Hinblick auf frühere Koalitionsstreitigkeiten. Dies steht im Kontrast zur gescheiterten Nominierung von Frauke Brosius-Gersdorf als Bundesverfassungsrichterin, die im Juli wegen Vorbehalten der Union zu einer tiefen Krise in der schwarz-roten Koalition geführt hatte.
Klingbeil zeigte sich auch offen für eine Persönlichkeit, die nicht zwingend aus der Politik stammt. Er betonte: “Ich bin auch offen für Persönlichkeiten, die parteipolitisch nicht so stark verortet sind. Wichtig ist eine Persönlichkeit, die Menschen zusammenführen kann, die für das Gemeinsame steht und unserem Land in diesen Zeiten Orientierung gibt.” Dieser Ansatz wird von weiteren Spitzenpolitikern geteilt. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sowie CSU-Chef Markus Söder haben sich ebenfalls positiv zu einer möglichen Bundespräsidentin geäußert. Auch Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann warb explizit für eine Frau im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, was die breite Akzeptanz dieses Gedankens über Parteigrenzen hinweg unterstreicht.
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann unterstützt ebenfalls die Idee eines nicht-politischen Kandidaten, ähnlich Klingbeils Haltung. Im Interview mit dem “Stern” verwies Linnemann auf Joachim Gauck, der von 2012 bis 2017 als parteiloser Theologe das Amt des Bundespräsidenten innehatte. Gauck wurde damals als gemeinsamer Kandidat von CDU/CSU, FDP, SPD und den Grünen nominiert, was als Präzedenzfall für eine überparteiliche Einigung dient. Die aktuelle Diskussion um einen gemeinsamen Kandidaten und die Offenheit für parteiunabhängige Persönlichkeiten zeigt den Wunsch der großen Parteien, ein Signal der Stärke und des Zusammenhalts in politisch turbulenten Zeiten auszusenden und das höchste Staatsamt mit einer Figur zu besetzen, die breite gesellschaftliche Akzeptanz genießt.

