Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor einer schleichenden Deindustrialisierung in Deutschland. Nach Angaben des Verbands gehen derzeit jeden Monat rund 15.000 Industriearbeitsplätze verloren. Der BDI sieht die wirtschaftliche Lage der deutschen Industrie als kritisch an und fordert politische Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner erklärte, Deutschland habe in den vergangenen Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Als wichtige Gründe nannte sie die internationale Zollpolitik der USA sowie Marktverzerrungen durch China. Gleichzeitig sprach sie sich für wirtschaftspolitische Reformen in Deutschland und Europa aus, um Unternehmen bessere Rahmenbedingungen zu bieten.
Trotz der schwierigen Situation zeigte sich Gönner zuversichtlich. Sie sagte, die schleichende Deindustrialisierung könne gestoppt werden, wenn Politik und Wirtschaft gemeinsam die notwendigen Maßnahmen umsetzen. Viele Unternehmen würden bereits verstärkt auf Innovationen setzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter ausbauen.
Auch aktuelle Arbeitsmarktdaten zeigen den Druck auf die Industrie. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind in den vergangenen zwölf Monaten rund 174.000 Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verloren gegangen. Zudem stammen etwa zwei Drittel der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit aus der Industrie.
Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Bertelsmann Stiftung zeigt außerdem, dass die Zahl der Industriebeschäftigten in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen ist. In vielen Unternehmen werden frei werdende Stellen nach dem Eintritt von Beschäftigten in den Ruhestand nicht mehr neu besetzt. Hinzu kommen Werksschließungen und Stellenabbau in verschiedenen Branchen.
Der BDI vertritt nach eigenen Angaben rund 100.000 Unternehmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen. Die Mitgliedsunternehmen beschäftigen zusammen mehr als acht Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Der Verband fordert nun politische Entscheidungen, die Investitionen erleichtern, Innovationen fördern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärken. Nach Einschätzung des BDI könnten so Arbeitsplätze gesichert und die industrielle Basis Deutschlands langfristig erhalten werden.

