Deutschland und Russland haben erstmals seit 2022 wieder auf Ebene der Außenminister gesprochen. Johann Wadephul traf Sergej Lawrow am Samstag in New York. Das Gespräch fand am Rand der UN-Generalversammlung statt. Es war der erste direkte Austausch der beiden Außenminister seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine.
Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau sind seit dem Beginn des Krieges stark belastet. Deutschland unterstützt die Ukraine politisch und militärisch. Russland kritisiert diese Hilfe. Das Treffen fand daher unter schwierigen Bedingungen statt.
Wadephul forderte Russland auf, seinen gefährlichen Kurs der Eskalation zu beenden. Dabei nannte er Deutschland, Europa und die NATO. Er machte zugleich deutlich, dass Berlin die Unterstützung für die Ukraine fortsetzen will.
Auch ein Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig spielte eine Rolle. Deutschland hatte Russland mit dem Vorfall in Verbindung gebracht. Moskau weist solche Vorwürfe zurück. Der Vorfall hat die Spannungen zwischen beiden Ländern weiter erhöht.
Das Gespräch dauerte nur kurze Zeit. Nach Angaben aus russischen Quellen waren es etwas mehr als 20 Minuten. Die deutsche Seite hatte den Austausch angefragt. Russland bestätigte damit den direkten Kontakt auf Ministerebene nach langer Pause.
Lawrow zeigte sich nach dem Treffen wenig beeindruckt. Er sagte, Wadephul habe keine neuen Vorschläge vorgelegt. Die deutsche Position sei bereits aus öffentlichen Erklärungen bekannt.
Der russische Außenminister stellte deshalb den Wert des Gesprächs infrage. Er sagte, der deutsche Minister habe im Wesentlichen die bekannte Kritik an Russland wiederholt. Dennoch bestätigten beide Seiten, dass über wichtige Fragen gesprochen wurde.
Dazu gehörten die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sowie der Krieg in der Ukraine. Ein weiterer Punkt waren die Getreideexporte über das Schwarze Meer.
Wadephul forderte Lawrow auf, alles für eine Vereinbarung über sichere Getreidetransporte zu tun. Auch die Energieinfrastruktur wurde angesprochen. Deutschland will damit den Schutz wichtiger Versorgungswege stärker in den Mittelpunkt stellen.
Der Seeweg ist für den Handel mit Getreide von großer Bedeutung. Der Krieg hat die Sicherheit von Schiffen und Häfen stark belastet. Angriffe auf die Infrastruktur können zudem die Versorgung in mehreren Ländern beeinflussen.
Nach dem Treffen informierte Wadephul seine europäischen Partner über den Austausch. Er erklärte, dass er die deutsche Haltung zum Krieg erneut deutlich gemacht habe. Dazu gehörten die Forderung nach einer sofortigen und vollständigen Waffenruhe sowie der Schutz von Getreidewegen und Energieanlagen.
Auch Lawrow sprach bei der UN-Generalversammlung über den Krieg. Er verteidigte die russische Politik und kritisierte mehrere westliche Staaten. Deutschland nahm dabei einen wichtigen Platz in seinen Aussagen ein.
Lawrow warf Berlin vor, die Ukraine stark zu unterstützen. Zudem sagte er, Deutschland wolle eine führende militärische Rolle in Europa übernehmen. Er fragte, welche Folgen dieser Kurs haben könnte. Dabei verwies er auch auf die deutsche Geschichte und den Zweiten Weltkrieg.
Wadephul sprach ebenfalls vor der UN. Er beschrieb den russischen Krieg als Bedrohung für Millionen Menschen in der Ukraine. Zudem verwies er auf die Folgen für die europäische Friedensordnung. Er forderte Russland auf, über ein Ende der Kämpfe zu verhandeln.
Das Treffen fand während einer anhaltenden Verschärfung des Luftkriegs statt. Russland greift die Ukraine weiter mit Raketen und Drohnen an. Die Ukraine setzt ebenfalls weitreichende Drohnen gegen Ziele in Russland ein.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte am Samstag eine stärkere internationale Reaktion. Er sagte, Russland erhöhe den Druck weiter. Nach ukrainischen Angaben wurden bei russischen Angriffen am selben Tag vier Menschen getötet.
Auch die Lage in Kiew bleibt angespannt. Die Bewohner bereiten sich auf mögliche Stromausfälle, weitere Drohnenangriffe und einen kalten Winter vor. Viele Menschen legen Vorräte an und beschaffen Generatoren.
Zudem stehen digitale Anlagen im Mittelpunkt. Ukrainische Behörden berichteten von Angriffen auf Rechenzentren und Internetanbieter in Kiew. Solche Angriffe könnten die digitale Infrastruktur der Wirtschaft beeinträchtigen.
Das Treffen zwischen Wadephul und Lawrow brachte keinen sichtbaren Durchbruch. Es war jedoch ein direkter diplomatischer Kontakt nach mehr als vier Jahren ohne ein solches Treffen. Die zentralen Positionen Deutschlands und Russlands zum Ukraine-Krieg bleiben weit voneinander entfernt.

