Deutschland verstärkt seine Unterstützung für die Ukraine. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte bei seinem Besuch in Kiew weitere Militärhilfe an. Das Paket soll rund eine Milliarde Euro wert sein. Es enthält auch Waffen mit großer Reichweite, Kampfdrohnen und neue Technik für die Aufklärung aus dem All.
Merz traf in Kiew den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Der Besuch fand während neuer russischer Angriffe statt. In der Stadt waren erneut Sirenen zu hören. Merz sagte, Deutschland stehe fest an der Seite der Ukraine.
Ein großer Teil der Hilfe soll der ukrainischen Armee sofort helfen. Deutschland will vor allem Waffen liefern, mit denen die Ukraine russische Angriffe abwehren und militärische Ziele erreichen kann. Auch Drohnen spielen eine wichtige Rolle.
Deutschland und die Ukraine wollen zudem gemeinsam neue Abfangdrohnen bauen. Diese Drohnen sollen russische Fluggeräte mit hoher Geschwindigkeit stoppen. Russland setzt immer öfter solche Drohnen gegen ukrainische Städte ein.
Selenskyj sagte, Russland habe in nur einer Woche rund 900 solcher Drohnen eingesetzt. Die ukrainische Luftabwehr habe etwa die Hälfte abfangen können. Deshalb sei weitere Hilfe dringend nötig. Auch deutsche Unterstützung bei der Luftabwehr sei sehr wichtig.
Zusätzlich stellt Deutschland rund 350 Millionen Euro für den ukrainischen Energiesektor bereit. Das Geld soll vor dem Winter eingesetzt werden. Geplant sind unter anderem Generatoren, neue Umspannwerke und Reparaturen an beschädigten Anlagen.
Russland greift seit langer Zeit die Energieversorgung der Ukraine an. Für den kommenden Winter wird deshalb mit neuen schweren Angriffen gerechnet. Deutschland will helfen, damit Städte und Haushalte trotz der Schäden mit Strom versorgt werden können.
Selenskyj sagte, Deutschland und die Ukraine hätten 15 Vereinbarungen unterzeichnet. Ihr Gesamtwert liegt bei mehr als 8,5 Milliarden Euro. Die Abkommen betreffen vor allem Sicherheit, Waffenproduktion und gemeinsame Projekte.
Deutschland ist seit Beginn des Krieges einer der wichtigsten Unterstützer der Ukraine. Nach Angaben der deutschen Regierung wurden bereits mehr als 43 Milliarden Euro an Hilfe bereitgestellt. Dazu gehören Waffen, Fahrzeuge und weitere militärische Ausrüstung.
Auch die Diplomatie war bei dem Treffen ein wichtiges Thema. Die USA haben laut Selenskyj Gespräche zwischen der Ukraine und Russland vorgeschlagen. Ein Treffen auf technischer Ebene könnte noch vor Ende Oktober stattfinden. Als möglicher Ort wurde die Vereinigte Arabische Emirate genannt.
Die Ukraine sei bereit, sagte Selenskyj. Nun müsse Russland reagieren. Er warf Moskau vor, echte Gespräche über ein Ende des Krieges zu vermeiden.
Merz und Selenskyj besuchten auch ein Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Kiew. Das Gebäude war bei einem russischen Angriff beschädigt worden. Dabei wurden zwei Menschen getötet.
Merz verurteilte die Angriffe auf zivile Ziele. Er forderte den russischen Präsidenten Wladimir Putin erneut auf, den Krieg zu beenden. Zugleich sagte er, Deutschland sei bereit, über Frieden zu sprechen.
Das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland bleibt angespannt. Merz sagte, die russischen Aktivitäten gegen Deutschland gingen weit über einzelne Vorfälle hinaus. Er verwies auf Angriffe auf digitale Netze, Datenzentren und andere Infrastruktur.
Berlin macht Russland auch für einen Vorfall am Flughafen Leipzig verantwortlich. Dort soll ein Angriff mit Drohnen vorbereitet worden sein. Deutschland warnte zudem vor weiteren russischen Aktivitäten im deutschen Luftraum und in der Ostsee.
Auch die sogenannte russische Schattenflotte sorgt in Berlin für Sorge. Deutschland will gegen Schiffe vorgehen, die nach deutscher Ansicht zur Umgehung von Sanktionen genutzt werden.
Währenddessen bleibt die Lage in der Ukraine sehr schwer. Russland hat seine Angriffe auf wichtige Infrastruktur verstärkt. In Kiew wurden zuletzt mehrere Brücken beschädigt. Eine Drohne traf erneut die nördliche Brücke über den Dnipro. Zwei Menschen wurden verletzt.
Mehrere Brücken in Kiew mussten zeitweise geschlossen werden. Das führte zu langen Staus. Selenskyj warnte, dass die Ukraine auf solche Angriffe reagieren werde.
Auch andere Regionen wurden getroffen. In Sumy starb bei einem russischen Angriff ein Mensch. 16 weitere Menschen wurden verletzt.
Der Krieg dauert inzwischen mehr als viereinhalb Jahre. Die Front ist rund 1.250 Kilometer lang. Große Veränderungen gibt es dort derzeit kaum. Gleichzeitig nehmen die Angriffe auf Städte, Energieanlagen und wichtige Infrastruktur weiter zu.
Die neue deutsche Hilfe soll der Ukraine deshalb militärisch und wirtschaftlich mehr Stabilität geben. Berlin setzt dabei sowohl auf Waffen als auch auf Energiehilfe und gemeinsame Produktion. Ein schnelles Ende des Krieges ist jedoch weiterhin nicht in Sicht.

