Ein 18-jähriger Mann ist in Hamburg festgenommen worden. Er steht im Verdacht, ein 14-jähriges Mädchen aus dem US-Bundesstaat Indiana online unter Druck gesetzt zu haben. Das Mädchen starb später durch Suizid. Ermittler in den USA und Deutschland arbeiten gemeinsam an dem Fall.
Die Polizei in Fort Wayne im Bundesstaat Indiana, das FBI und deutsche Behörden halfen dabei, den Verdächtigen zu finden. Nach Angaben des FBI wurde der Mann mit Unterstützung der örtlichen Polizei und der Behörden in Hamburg festgenommen. Deutsche Medien berichteten, dass die Festnahme am Donnerstag erfolgte.
Zuvor hatten FBI-Beamte in Indianapolis die Polizei in Hamburg über den Fall informiert. Die Ermittler vermuten, dass der Mann über das Internet Kontakt zu dem Mädchen hatte. Die beiden sollen über die Plattform Discord miteinander kommuniziert haben.
Die Identität des Verdächtigen wurde bisher nicht öffentlich bekannt gegeben. Er ist deutscher Staatsbürger und lebt in Hamburg. Nach Angaben der Polizei wird er nicht an die USA ausgeliefert. Formelle Anklagen wurden bislang nicht erhoben.
Die Ermittler werfen dem Mann vor, das Mädchen zu Selbstverletzung gedrängt zu haben. Er soll sie aufgefordert haben, seinen Online-Namen „Kaz“ und den Namen einer Gruppe auf eine Wand zu schreiben. Dafür sollte sie ihr eigenes Blut verwenden.
Die Gruppe wird als „Nefarious Maniac Cult“, kurz NMK, bezeichnet. Ermittler vermuten, dass der Verdächtige mit einer Aufnahme des Todes des Mädchens Aufmerksamkeit gewinnen wollte. Möglicherweise wollte er damit auch Zugang zu der Gruppe erhalten.
Ob der Tod des Mädchens tatsächlich gefilmt wurde, ist bislang nicht bestätigt. Nach dem Vorfall soll der Mann versucht haben, eine mögliche Aufnahme zu bekommen. Zudem soll er damit gedroht haben, ein Video an Angehörige des Mädchens weiterzugeben.
Die Behörden prüfen nun digitale Beweise. Bei dem Verdächtigen wurden ein Mobiltelefon und ein Laptop sichergestellt. Beide Geräte sollen forensisch untersucht werden. Die Auswertung könnte helfen, den Kontakt zwischen dem Mann und dem Mädchen sowie mögliche weitere Beteiligte zu klären.
Die Ermittlungen werden vom Landeskriminalamt Hamburg und der Staatsanwaltschaft Hamburg geführt. Die Behörden untersuchen auch mögliche Verbindungen zu gewaltbereiten Online-Gruppen. Zu der Zahl ähnlicher Verfahren in Hamburg machten die Ermittler keine genauen Angaben.
In Hamburg gab es zuletzt weitere Verfahren mit Bezug zu solchen Gruppen. Im September verurteilte das Landgericht Hamburg einen anderen 18-Jährigen zu vier Jahren und sechs Monaten Jugendhaft. Dabei ging es unter anderem um sexuellen Missbrauch von Kindern im Internet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Auch gegen einen 22-jährigen Mann läuft ein Verfahren. Er soll Teil einer Online-Gruppe namens „764“ gewesen sein und den Namen „White Tiger“ genutzt haben. Der Prozess dauert bereits seit mehr als neun Monaten.
Solche Gruppen stehen im Verdacht, Menschen im Internet gezielt zu bedrohen und zu schädigen. In manchen Fällen sollen Mitglieder andere zu Selbstverletzung oder gefährlichen Handlungen gedrängt haben. Ermittler prüfen deshalb, ob der Fall aus Indiana mit weiteren Aktivitäten im Netz verbunden ist.
Die Behörden in den USA und Deutschland setzen ihre Zusammenarbeit fort. Im Mittelpunkt stehen die digitalen Spuren, die Kommunikation zwischen dem Verdächtigen und dem Mädchen sowie mögliche Beweise für Drohungen oder Druck. Bis zum Abschluss der Ermittlungen gilt der Mann als unschuldig.

