Ein neues Banksy-Kunstwerk in London sorgt erneut für Spekulationen um die Identität des mysteriösen Street-Art-Künstlers. Im März 2024 wurde um ein frisches Werk des Unbekannten eine Absperrung errichtet, während gleichzeitig Bilder in Umlauf kamen, die angeblich Banksy zeigen sollten. Doch der darauf abgebildete Mann, ein Bauarbeiter aus London, wehrt sich vehement gegen diese Behauptungen. Gegenüber der ‘Daily Mail’ stellte er klar: ‘Ich bin es nicht.’ Seine Geschichte rückt das Phänomen der Banksy-Mania und die Herausforderungen der Anonymität im digitalen Zeitalter scharf in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Verwechslung hat für den Mann, der lediglich seiner Arbeit nachgeht, zunehmend unangenehme Ausmaße angenommen und wirft ein Schlaglicht auf die Grenzen der Medienberichterstattung und die Leichtigkeit, mit der sich im Internet Gerüchte verbreiten können.
Die Gerüchte kochten hoch, nachdem die Nachrichtenagentur Reuters behauptete, die Identität Banksys enthüllt zu haben. Angeblich handele es sich um Robin Gunningham, einen Briten, der seinen Namen geändert haben soll. Während Banksys Anwalt weder bestätigte noch dementierte, erschienen kurz darauf Fotos in großen Medien wie der ‘New York Post’, ‘The Sun’ und ‘LADbible’, die einen grauhaarigen Mann mit Brille und Bart zeigen sollten – oft hinter einem Gitterzaun auf einer Baustelle. Diese Bilder wurden sofort mit dem anonymen Künstler in Verbindung gebracht, befeuert durch die anhaltende Faszination um seine wahre Person. Die Medienlandschaft, stets auf der Suche nach Exklusivität, trug so unwissentlich zur Verbreitung einer falschen Behauptung bei, die nun das Leben eines unbeteiligten Bürgers massiv beeinträchtigt.
Der vermeintliche Banksy, der Londoner Bauarbeiter, beschreibt seine Situation als ‘wirklich ärgerlich, lächerlich und verstörend’. Was am ersten Tag noch amüsant gewesen sei, habe sich mittlerweile zu einer Belastung entwickelt. Er sei 2024 zum ersten Mal vor einem Haus mit einem neu entdeckten Banksy-Kunstwerk fotografiert worden, doch seine Anwesenheit hatte einen simplen Grund: Er installierte lediglich eine Plexiglas-Abdeckung zum Schutz des Werkes – ein Auftrag für seine Söhne, denen das Gebäude gehöre. Der Mann, der angibt, 69 Jahre alt zu sein, im Gegensatz zu den geschätzten 51 auf den Fotos, erhielt zuletzt bis zu 30 Anrufe pro Woche mit Anfragen zu seiner Identität. Die Aufmerksamkeit sei ihm ‘zu viel’ geworden, und er betont, dass er selbst nicht gerne malt: ‘Wenn es etwas zu streichen gibt, lasse ich das von anderen erledigen.’
Mit deutlichen Worten wendet sich der Bauarbeiter an die Öffentlichkeit: ‘Werdet erwachsen. Kümmert euch um euer eigenes Leben.’ Er weist darauf hin, dass Banksy ‘gut genug ausgestattet [ist], um dort nicht Bauarbeiten verrichten zu müssen,’ und dass der wahre Künstler ‘kommt, seine Arbeit erledigt und dann spurlos verschwindet. Deshalb weiß niemand, wer er ist.’ Diese Aussage unterstreicht das zentrale Element von Banksys Mysterium: seine gewählte Anonymität. SPIEGEL-Redakteurin Ulrike Knöfel argumentiert, dass Banksy ein Recht auf diese Anonymität sieht, die auch mit einer gewissen Eitelkeit verbunden sein könnte. Die Episode mit dem verwechselten Bauarbeiter verdeutlicht, wie fragil und schützenswert dieses Recht in einer immer transparenteren Welt ist, und wie ein unschuldiges Missverständnis weitreichende Konsequenzen haben kann.

