Die Beziehungen zwischen Deutschland und Georgien stehen vor einer schwierigen Phase. Die designierte deutsche Botschafterin Barbara Voss sprach beim Empfang zum Tag der Deutschen Einheit in Tiflis über die Probleme der vergangenen Jahre. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass Deutschland die Zusammenarbeit mit Georgien fortsetzen will.
Voss sagte, die lange Freundschaft zwischen beiden Ländern habe in den vergangenen Jahren Schaden genommen. Deutschland und Georgien hätten über Jahrzehnte enge Kontakte aufgebaut. Nun müsse möglichst viel von dieser gemeinsamen Arbeit erhalten bleiben.
Die Botschafterin übernahm ihr Amt im August. Sie folgte auf Peter Fischer. Seine Amtszeit endete Ende Juni. Unter Fischer hatten sich die Spannungen zwischen Berlin und der georgischen Regierung deutlich verschärft.
In ihrer Rede nannte Voss mehrere Bereiche, in denen die Zusammenarbeit bereits unter Druck steht. Dazu gehört die Ilia-Staatsuniversität in Tiflis. Die Hochschule habe sich in den vergangenen 20 Jahren zu einer international bekannten Universität entwickelt.
Deutschland habe den Aufbau der Universität mit erheblichen Mitteln unterstützt. Auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen deutschen und georgischen Einrichtungen sei eng. Nach den Worten von Voss ist die Zukunft der Universität nun jedoch gefährdet.
Grund dafür sind Reformen im georgischen Hochschulsystem. Die Änderungen haben mehrere wichtige Programme der Universität betroffen. Voss sieht darin ein Beispiel für die Schwierigkeiten, vor denen die bilaterale Zusammenarbeit derzeit steht.
Auch deutsche politische Stiftungen sind betroffen. Voss erklärte, dass alle vier deutschen politischen Stiftungen ihre Arbeit in Georgien zeitweise einstellen mussten. Neue Regeln für ausländische Finanzierungen hätten die Arbeit erschwert.
Zuletzt kündigten die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Friedrich-Naumann-Stiftung die Schließung ihrer Büros in Tiflis an. Beide Organisationen waren über Jahre in politischen und gesellschaftlichen Projekten in Georgien aktiv.
Voss will sich nach eigenen Angaben persönlich dafür einsetzen, dass möglichst viel von der bisherigen Zusammenarbeit erhalten bleibt. Sie kündigte an, dieses Thema auch in Gesprächen mit der georgischen Regierung anzusprechen.
Gleichzeitig betonte sie, dass Deutschland weiterhin in verschiedene Bereiche investieren wolle. Dazu gehören Forschung, Bildung und der Austausch zwischen jungen Menschen.
Voss verwies auf Programme der Max Weber Stiftung und Projekte der Östlichen Partnerschaft. Auch das Stipendienprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes soll weiter unterstützt werden. Die deutsche Schule in Georgien gehört ebenfalls zu den Bereichen, in denen Deutschland die Zusammenarbeit fortsetzen will.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Rede war die Sicherheit. Nach Ansicht von Voss teilen Deutschland und Georgien wichtige Sicherheitsinteressen. Sie verwies dabei auf Russlands Vorgehen in Europa und nannte Desinformation, Drohungen, Sabotage und militärische Gewalt als wichtige Gefahren.
Georgien ist von den Folgen des Konflikts mit Russland besonders betroffen. Nach Angaben der georgischen Seite sind rund 20 Prozent des Landes von Russland besetzt. Deutschland unterstützt weiterhin die Souveränität und territoriale Integrität Georgiens.
Berlin unterstützt auch das Recht Georgiens, selbst über seine Sicherheitspolitik zu entscheiden. Die Zusammenarbeit mit den georgischen Streitkräften soll über NATO-Rahmen weitergeführt werden. Dabei geht es auch um den Ausbau ihrer Verteidigungsfähigkeit.
Trotz der politischen Differenzen sieht Voss weitere Möglichkeiten für die Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland könne Georgien in ausgewählten Bereichen weiter unterstützen. Sie nannte dabei besonders Umwelt- und Naturschutz.
Auch die georgische Zivilgesellschaft soll nach ihren Worten weiter Unterstützung erhalten. Damit will Deutschland bestehende Kontakte aufrechterhalten, obwohl sich die politischen Beziehungen verändert haben.
Beim Thema Europa äußerte Voss eine weitere Hoffnung. Sie wünsche sich, dass Georgien in den kommenden Jahren wieder stärker auf den europäischen Weg zurückkehren könne. Die Beziehungen zur Europäischen Union bleiben damit ein wichtiger Teil der deutschen Politik gegenüber Georgien.
Die Spannungen zwischen beiden Ländern haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt. Fischers Amtszeit war von öffentlichen Auseinandersetzungen mit der georgischen Regierung geprägt. Georgische Regierungsvertreter kritisierten seine Äußerungen mehrfach.
Auch die Beziehungen zwischen den diplomatischen Vertretungen waren belastet. Georgiens Botschafter in Deutschland, Alexander Kartozia, konnte seine Beglaubigungsschreiben erst im Juli 2026 an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergeben. Seine Ernennung war bereits im Oktober 2025 erfolgt.
Die georgische Regierung verbindet mit dem Amtsantritt von Voss neue Erwartungen. Außenministerin Maka Botchorischwili hatte zuvor die Hoffnung geäußert, die Beziehungen könnten wieder auf eine normale Grundlage gestellt werden.
Voss setzt nun auf Dialog und den Erhalt bestehender Kontakte. Ihre Rede machte deutlich, dass die politischen Unterschiede weiterhin groß sind. Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen Deutschland und Georgien ihre Zusammenarbeit fortsetzen können.
Bildung, Forschung, Sicherheit und Umweltschutz gehören zu diesen Feldern. Ob daraus eine breitere Annäherung entstehen kann, dürfte auch davon abhängen, wie sich die politischen Beziehungen zwischen Berlin und Tiflis weiterentwickeln.

