Jüngste Berichte decken eine kontroverse Praxis auf, die angeblich von den Modekonzernen H&M und Zara angewendet wird, um ihre Belegschaft, insbesondere „unliebsame“ Mitarbeitende, zu verwalten. Unter dem Namen „Filialkarussell“ sorgt diese Methode für heftige Debatten und scharfe Kritik von Arbeitsvertretern und Gewerkschaften in ganz Deutschland. Der Vorwurf impliziert eine bewusste Strategie dieser Einzelhandelsgiganten, um traditionelle Kündigungsverfahren zu umgehen, indem sie einen indirekten Ansatz wählen, der die betroffenen Mitarbeiter erheblich belastet. Dieses Muster unterstreicht einen besorgniserregenden Trend in den Arbeitsmethoden der Fast-Fashion-Industrie.
Das „Filialkarussell“ soll bedeuten, dass Mitarbeitende wiederholt und oft kurzfristig zwischen verschiedenen Filialstandorten versetzt werden, häufig an ungünstige oder weit entfernte Orte. Für die Angestellten können solche ständigen Wechsel zu massiven persönlichen und beruflichen Störungen führen, einschließlich längerer Pendelzeiten, Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung und einer allgemeinen Destabilisierung ihrer Work-Life-Balance. Die implizite Absicht ist, dass diese Versetzungen nicht auf betrieblicher Notwendigkeit basieren, sondern darauf abzielen, ein so herausforderndes und unattraktives Umfeld zu schaffen, dass die betroffenen Mitarbeitenden freiwillig kündigen. Diese Strategie soll die rechtlichen Komplexitäten und potenziellen Kosten vermeiden, die mit formellen Entlassungen verbunden sind, und die Last auf den einzelnen Arbeitnehmer verlagern.
Betriebsrätin Lopes und die Ver.di-Gewerkschafterin Hampel haben beide die Existenz und die weitreichende Natur dieses angeblichen Musters öffentlich bestätigt. „Wir machen bundesweit Erfahrung mit diesem Muster“, erklärt Hampel und weist darauf hin, dass es sich nicht um ein isoliertes Problem handelt, sondern um ein systematisches, das zahlreiche Mitarbeitende in ganz Deutschland betrifft. Ihre gemeinsamen Beobachtungen deuten darauf hin, dass es sich nicht um eine Reihe unglücklicher Zufälle handelt, sondern um ein kalkuliertes Manöver von H&M und Zara zur Straffung ihrer Belegschaft, möglicherweise gezielt gegen langjährige Mitarbeiter, solche mit speziellem Schutz oder Personen, die als kritische Stimmen im Unternehmen wahrgenommen werden. Das Engagement der Gewerkschaft unterstreicht die Schwere und die wahrgenommene Illegalität solcher Praktiken.
Die Auswirkungen solcher angeblichen Taktiken sind weitreichend. Für die Mitarbeitenden stellt dies einen tiefgreifenden Vertrauensbruch dar und kann zu erheblichen psychischen und finanziellen Belastungen führen. Für die Unternehmen könnten sich, sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, schwere Reputationsschäden, rechtliche Herausforderungen und eine verstärkte Überprüfung durch Arbeitsbehörden und Verbrauchergruppen ergeben. Die Haltung der Ver.di-Gewerkschaft deutet auf einen bevorstehenden Kampf zum Schutz der Arbeitnehmerrechte gegen das hin, was sie als eine heimtückische Form der indirekten Kündigung betrachten. Dieser Fall rückt die anhaltende Spannung zwischen Unternehmenseffizienzbestrebungen und den grundlegenden Schutzmaßnahmen für Arbeitnehmer nach deutschem Arbeitsrecht in den Mittelpunkt und wirft Fragen zu ethischen Beschäftigungspraktiken im hart umkämpften Einzelhandelssektor auf.

