Wenige Tage vor der Landtagswahl am 8. März in Baden-Württemberg deutet eine neue Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD auf ein äußerst spannendes Rennen hin. Die Grünen liegen demnach mit 27 Prozent der Stimmen nur noch einen Prozentpunkt hinter der CDU, die bei 28 Prozent rangiert. Dieses Ergebnis stellt eine deutliche Verschiebung in der Wählergunst dar und macht das Ringen um den Posten des Ministerpräsidenten so offen wie nie zuvor in diesem Wahlkampf. Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen, hat in den letzten Wochen merkliche Zugewinne verzeichnen können, was seine Partei in eine starke Position bringt.
Dieser Aufschwung der Grünen ist besonders bemerkenswert im Vergleich zu früheren Umfragen. Ende Januar lag die Partei noch bei 23 Prozent und damit sechs Prozentpunkte hinter der CDU (29 Prozent). Im Oktober desselben Jahres betrug der Abstand sogar neun Prozentpunkte, was die jüngste Entwicklung umso signifikanter macht. Auch die anderen Parteien zeigen Bewegung: Die AfD verliert zwei Prozentpunkte und liegt nun bei 18 Prozent. Die Linke müsste mit 5,5 Prozent um den Einzug in den Landtag bangen (zuvor 7 Prozent). Die FDP verbessert sich leicht auf 6 Prozent, während die SPD mit 7 Prozent erneut einen Prozentpunkt einbüßt.
Die Landesvorsitzenden der Grünen, Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller, äußerten sich optimistisch und betonten Cem Özdemirs Eignung als Ministerpräsident, der die notwendige Erfahrung in unsicheren Zeiten mitbringe. Die Umfrage, die zwischen dem 23. und 25. Februar durchgeführt wurde, fiel genau in den Zeitraum, in dem ein altes Interviewvideo des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel für Aufsehen sorgte. In dem Video, das Hagel später als „Mist“ bezeichnete, kommentiert er seinen Besuch in einer Realschule und die Anwesenheit von Mädchen auf eine Weise, die Kritik hervorrief. Ein früheres Institut Insa hatte noch vor dieser Diskussion einen Sechs-Prozent-Vorsprung für die CDU gemeldet, was den möglichen Einfluss des Videos auf die Wählergunst unterstreicht.
Bei der Landtagswahl am 8. März geht es nicht nur um die neue Kräfteverteilung im Landesparlament, sondern auch um die Nachfolge des langjährigen Amtsinhabers Winfried Kretschmann (Grüne), der nach drei Amtszeiten nicht erneut antritt. Das Rennen um den Ministerpräsidentenposten konzentriert sich auf Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne). Markus Frohnmaier von der AfD tritt ebenfalls an, hat jedoch aufgrund fehlender Koalitionsbereitschaft anderer Parteien keine realistischen Chancen. Die Infratest-Umfrage basierte auf 1530 Befragten mit einer Fehlertoleranz von zwei bis drei Prozentpunkten, wobei Meinungsforschungsinstitute generell mit Unsicherheiten durch nachlassende Parteibindungen und kurzfristigere Wahlentscheidungen konfrontiert sind.

