Die Situation am Persischen Golf spitzt sich dramatisch zu, da die Straße von Hormus zum Brennpunkt regionaler und globaler Spannungen avanciert ist. Hunderte Schiffe, darunter wichtige Flüssigerdgas- und Öltanker, stauen sich beidseitig der Meerenge, die Iran von der Musandam-Halbinsel trennt. Diese entscheidende Passage, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssigerdgasbedarfs sowie unzählige Frachtschiffe mit Industriegütern transportiert werden, wird zunehmend zum Ziel iranischer Raketen- und Drohnenangriffe. Die Eskalation treibt nicht nur die Energie- und Lebensmittelpreise in Abnehmerländern wie Deutschland in die Höhe, sondern birgt auch das Potenzial für unkalkulierbare Schäden. Ein hochrangiger Kommandeur der iranischen Revolutionswächter drohte kürzlich, jedes Schiff zu verbrennen, das versucht, die Straße von Hormus zu passieren, was die Ernsthaftigkeit der Bedrohung unterstreicht.
Umweltschützer warnen eindringlich vor den katastrophalen ökologischen Folgen, sollte die Serie von Angriffen auf Tanker zu einer großflächigen Ölpest führen. Die Freisetzung von Rohöl und giftigen Chemikalien könnte die sensiblen Meeresökosysteme des Golfs für Jahrzehnte verseuchen. Bereits jetzt häufen sich Beinaheunfälle und tatsächliche Beschädigungen von Tankern; ein jüngstes Beispiel ist die Explosion an einem US-Öltanker vor der irakisch-kuwaitischen Küste, bei der glücklicherweise keine Ladung an Bord war. Andere Schiffe wie die „MKD Vyom“, „Stena Imperative“ und „Skylight“ wurden beschossen oder brannten, teils mit Todesfolge. Zusätzlich zu den Seeangriffen werden auch Raffinerien und Ölpipelines attackiert, wie Feuer in der saudi-arabischen Ölraffinerie Ras Tanura und Angriffe auf Energieanlagen in Katar zeigen, die massive Rauchwolken und die Freisetzung von Feinstaub sowie giftigen Verbindungen verursachen und die Luftqualität stark beeinträchtigen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) betont seit Langem die geopolitischen Risiken am Persischen Golf, weist aber auch auf weitere gefährliche Nadelöhre der globalen Energieversorgung hin. Routen durch die Straße von Malakka, den Panamakanal und die Meerenge Bab al-Mandab – wo die Huthi-Miliz Handelsschiffe angreift – sind ebenfalls von Instabilität geprägt. Eine zusätzliche Bedrohung stellt die sogenannte russische Schattenflotte dar: Hunderte marode Tanker, oft unversichert und mit abgeschalteten Transpondern, transportieren russisches Öl unter Umgehung von Sanktionen und bergen ein enormes Risiko für Umweltkatastrophen. Der Ukrainekrieg verschärft die Lage weiter, wie der jüngste Brand des LNG-Tankers „Arctic Metagaz“ im Mittelmeer zeigt, der möglicherweise durch ukrainische Seedrohnen angegriffen wurde und dessen potenzielles Sinken unklare ökologische Folgen mit sich bringt, insbesondere durch das Treibhausgas Methan.
Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass die Abhängigkeit von Öl und Erdgas nicht nur eine Belastung für das Klima, sondern ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt. Die riskanten Fahrten der Tanker sind die Achillesferse der westlichen Energieversorgung. Havarien dieser schwimmenden Riesen würden nicht nur Ökosysteme verseuchen und Besatzungen sowie Anwohner gefährden, sondern auch die Verbraucherpreise weiter in die Höhe treiben. Um weniger verwundbar zu werden, muss die EU den schnellen Ausbau von Wind- und Solarenergie vorantreiben sowie Elektroautos und Wärmepumpen fördern. Die Staats- und Regierungschefs der EU sind aufgerufen, aus der aktuellen Krise die richtigen Lehren zu ziehen und eine resiliente, unabhängige Energieinfrastruktur zu schaffen, um sowohl die wirtschaftliche Stabilität als auch den Umweltschutz zu gewährleisten.

