Die deutschen Behörden gehen gegen den langjährigen Chef der libanesischen Zentralbank, Riad Salamé, vor. Sie streben den dauerhaften Entzug von Immobilien und Gesellschaftsanteilen im Wert von rund 35 Millionen Euro an. Die Staatsanwaltschaft München I hat diesen Schritt im Januar beim Landgericht München I beantragt, um bereits beschlagnahmte Vermögenswerte zu sichern. Dies markiert einen bedeutenden Schritt in den internationalen Bemühungen, mutmaßlich veruntreute Gelder zurückzugewinnen. Die Maßnahme zielt darauf ab, dem ehemaligen Zentralbankchef Vermögenswerte in Deutschland zu entziehen, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen stehen.
Bei den beschlagnahmten Vermögenswerten handelt es sich um hochwertige Gewerbeimmobilien in den deutschen Metropolen München und Hamburg sowie Anteile an einer Immobiliengesellschaft in Düsseldorf. Das gegen Salamé und weitere Beschuldigte geführte Ermittlungsverfahren wurde vorläufig eingestellt, da die Betroffenen nach Angaben der Behörden nicht aufzufinden sind. In seiner Heimat, dem Libanon, wird Salamé vorgeworfen, 330 Millionen US-Dollar veruntreut zu haben. Die deutschen Ermittlungen konzentrieren sich auf den Verdacht der Geldwäsche, wobei die veruntreuten Gelder mutmaßlich über eine Briefkastengesellschaft auf den Britischen Jungferninseln in deutsche Immobiliengeschäfte geflossen sein sollen.
Im Rahmen der umfassenden Ermittlungen reisten Delegationen der deutschen Behörden mehrfach in den Libanon. Ziel dieser Reisen war es, den beschuldigten Riad Salamé, seinen ebenfalls verdächtigen Bruder und weitere Zeugen zu vernehmen. Unter den befragten Zeugen befand sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft München I auch der zum damaligen Zeitpunkt amtierende libanesische Finanzminister. Diese internationalen Kooperationen unterstreichen die Komplexität und den grenzüberschreitenden Charakter des Falls, der weitreichende Verwicklungen in beiden Ländern aufweist und ein hohes Maß an diplomatischem Austausch erforderte.
Der Skandal um Riad Salamé, der bis zum Sommer 2023 fast drei Jahrzehnte lang die libanesische Zentralbank leitete, ist weiterhin eines der dominierenden innenpolitischen Themen im Libanon. Die wirtschaftliche und politische Krise des Landes wird durch solche Korruptionsvorwürfe weiter verschärft. Da der Libanon seine eigenen Staatsbürger nicht an Deutschland ausliefert, kann ein gerichtliches Hauptverfahren in Deutschland nur stattfinden, wenn sich die Beschuldigten freiwillig stellen. Dies stellt eine erhebliche Hürde für die strafrechtliche Verfolgung dar und wirft Fragen bezüglich der internationalen Rechtshilfe und der Durchsetzung von Gerechtigkeit auf.

