Deutschlands Solarbranche steht vor einem neuen Problem. Immer mehr Solarstrom trifft auf Zeiten mit geringer Nachfrage. Dadurch können die Strompreise an der Börse unter null fallen. Für Betreiber wird es dann oft sinnvoll, ihre Anlagen abzuschalten.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden deutsche Solarparks insgesamt für 1.463 Gigawattstunden vom Netz genommen. Diese Strommenge hätte nach den vorliegenden Angaben mehr als 136.000 Haushalte ein Jahr lang versorgen können.
Die Entwicklung zeigt die Folgen des schnellen Ausbaus der Solarenergie. An sonnigen Tagen erzeugen viele Anlagen zur gleichen Zeit große Mengen Strom. Wenn der Verbrauch in diesen Stunden nicht ausreicht, entsteht ein Überschuss.
Der Strommarkt reagiert darauf mit sehr niedrigen Preisen. In manchen Zeiträumen werden die Preise sogar negativ. Stromerzeuger müssen dann Geld zahlen, damit andere Marktteilnehmer den überschüssigen Strom übernehmen.
Für Betreiber von Solarparks kann eine Abschaltung deshalb wirtschaftlich sinnvoll sein. Sie vermeiden damit zusätzliche Kosten. Gleichzeitig bedeutet dies, dass bereits mögliche erzeugte Energie nicht genutzt wird.
In anderen europäischen Ländern wird teilweise anders mit dem Problem umgegangen. Einige Regierungen bieten Solarbetreibern finanzielle Unterstützung. Diese Zahlungen können dazu führen, dass Anlagen auch bei negativen Marktpreisen weiterlaufen.
Für Betreiber bleibt die Stromproduktion dadurch wirtschaftlich. Sie können den überschüssigen Strom abgeben, obwohl der Marktpreis negativ ist. Staatliche Hilfen gleichen einen Teil der Verluste aus.
Deutschland hat sich für einen anderen Ansatz entschieden. Das neue Solar Peak Act sieht vor, dass bestimmte neue Photovoltaikanlagen bei negativen Strompreisen keine staatliche Förderung erhalten.
Die Regel betrifft Solaranlagen, die nach dem 25. Februar 2025 in Betrieb genommen wurden. Dadurch soll verhindert werden, dass der Staat die Produktion von Strom unterstützt, der zu bestimmten Zeiten kaum einen Marktwert hat.
Die Regel könnte auch große Solarprojekte betreffen. Dazu gehört der geplante Verbund Visiolar Solarpark nahe Berlin. Die Anlage soll rund 2.000 Megawatt leisten. Der Start ist nach den aktuellen Plänen für 2028 vorgesehen.
Der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem der Energiewende. Der Ausbau erneuerbarer Energie kann schneller erfolgen als der Ausbau von Stromspeichern und Netzen. Wenn viel Sonne scheint, steigt die Stromproduktion sehr stark.
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage in manchen Stunden niedrig. Haushalte und Unternehmen benötigen nicht automatisch mehr Strom, nur weil die Sonne besonders stark scheint. Dadurch können große Mengen Energie zur gleichen Zeit auf den Markt kommen.
Speicher könnten dieses Problem teilweise lösen. Batterien könnten überschüssigen Solarstrom aufnehmen. Später könnte die Energie wieder genutzt werden. Auch neue Stromleitungen könnten helfen, Strom aus Regionen mit einem Überschuss in andere Gebiete zu bringen.
Doch der Aufbau dieser Infrastruktur braucht Zeit. Deshalb dürfte die Zahl der Stunden mit sehr niedrigen oder negativen Preisen weiter eine wichtige Rolle spielen.
Die Entwicklung stellt auch die Betreiber neuer Solarparks vor neue Fragen. Sie müssen ihre Einnahmen genauer planen. Die Höhe der staatlichen Unterstützung kann dabei ebenso wichtig sein wie die Entwicklung der Strompreise.
Für Deutschland geht es deshalb nicht nur um den Ausbau neuer Anlagen. Entscheidend ist auch, wie der erzeugte Strom genutzt werden kann. Ohne Speicher, Netze und flexible Nachfrage kann ein Teil der möglichen Energie verloren gehen.
Die 1.463 Gigawattstunden abgeschalteter Solarstrom zeigen die Größe dieser Herausforderung. Gleichzeitig wächst die Solarleistung weiter.
Die Debatte über Negative Strompreise Solarenergie dürfte deshalb an Bedeutung gewinnen. Deutschland muss den Ausbau erneuerbarer Energie mit einem flexibleren Stromsystem verbinden. Nur dann kann möglichst viel Solarstrom tatsächlich genutzt werden.

