Wissenschaftler des SETI-Instituts haben eine neue Erklärung dafür gefunden, warum die jahrzehntelange Suche nach außerirdischem Leben bislang erfolglos geblieben ist. Es wird vermutet, dass Sonnenwinde und koronale Massenauswürfe, die von Sternen ausgestoßen werden, Signale von potenziellen intelligenten Zivilisationen erheblich verzerren könnten. Diese Erkenntnis, veröffentlicht im Fachjournal »The Astrophysical Journal«, stellt die bisherigen Annahmen der Astronomen in Frage und könnte die Strategien der Suche nach außerirdischem Leben (SETI) grundlegend verändern. Die Entdeckung deutet darauf hin, dass die Herausforderung nicht nur darin besteht, überhaupt ein Signal zu empfangen, sondern auch darin, es als solches zu erkennen, wenn es durch kosmische Turbulenzen beeinflusst wurde. Die Forscher hoffen, dass diese neuen Erkenntnisse bei zukünftigen Missionen berücksichtigt werden.
Seit rund einem halben Jahrhundert scannen Astronomen den Himmel mit Radioteleskopen nach Anzeichen intelligenten Lebens. Sie suchen nach ungewöhnlichen Ausschlägen in Radiowellenfrequenzen, die sich nicht durch bekannte astrophysikalische Phänomene erklären lassen. Die bisherige Annahme war, dass eine außerirdische Intelligenz eine Botschaft wahrscheinlich in einem sehr engen, präzisen Frequenzbereich aussenden würde, um die Detektion zu erleichtern. Das neue Forschungsergebnis zeigt jedoch auf, dass diese Annahme möglicherweise fehlerhaft ist. Die Signale, die auf einer bestimmten Frequenz ausgesendet werden, könnten auf der Erde »verschmiert« ankommen, was ihre Detektion massiv erschwert. Dies könnte ein entscheidender Faktor sein, warum trotz intensiver Bemühungen keine eindeutigen Signale empfangen wurden.
Das Forscherduo untersuchte zunächst, wie die Aktivität unserer eigenen Sonne – insbesondere Sonnenwinde und koronale Massenauswürfe, bei denen große Mengen geladenen Plasmas in den Weltraum geschleudert werden – Radiowellen im heimischen Planetensystem beeinflusst. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden dann auf andere Sterntypen im Universum verallgemeinert. Dabei zeigte sich, dass sogenannte Rote Zwerge, die kleinen, lichtschwachen Sterne, die rund drei Viertel aller Sterne im Universum ausmachen, mögliche Signale besonders stark verzerren. Da Rote Zwerge extrem häufig sind und viele potenziell bewohnbare Exoplaneten beherbergen, ist diese Erkenntnis von immenser Bedeutung für die SETI-Forschung. Die hohe Aktivität dieser Sterne könnte somit die Entdeckung von Leben in ihrer Umgebung zusätzlich erschweren.
Die Mitautorin Grayce C. Brown vom Institut SETI betont, dass ihre Berechnungen künftige Suchstrategien maßgeblich beeinflussen sollten. Man müsse die Suchstrategie so anpassen, dass sie »besser auf Signale abgestimmt ist, die tatsächlich auf der Erde ankommen, und nicht auf das, was losgeschickt wird«. Dies erfordert möglicherweise die Entwicklung neuer Detektionsmethoden oder die Anpassung bestehender Algorithmen, um breitere oder verzerrtere Frequenzbänder zu analysieren. Die Hoffnung ist, dass die Berücksichtigung dieser Störeffekte die Chancen erhöht, doch noch ein Zeichen intelligenten Lebens im All zu entdecken. Die Studie eröffnet nicht nur neue Perspektiven für die SETI-Forschung, sondern unterstreicht auch die Komplexität und die vielfältigen Herausforderungen bei der Suche nach unseren kosmischen Nachbarn.

