Ex-Kanzlerin Angela Merkel wird am 20. Februar 2026 überraschend als Ehrengast am CDU-Parteitag in Stuttgart teilnehmen. Dies bestätigten ihr Büro und eine CDU-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Es ist das erste Mal seit ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik im Jahr 2021, dass Merkel an einem CDU-Bundesparteitag teilnimmt. Ihre letzte physische Präsenz war 2019 in Leipzig, der letzte Parteitag ihrer Kanzlerschaft fand 2021 digital statt. Merkels Entscheidung bricht mit ihrer selbst auferlegten Regel, sich nach ihrer Amtszeit nicht an tagesaktuellen politischen Ereignissen zu beteiligen, eine Haltung, die sie wiederholt öffentlich erläutert hat. Ihr Büro kommentierte die Ausnahme mit dem Satz: „Nein, die Ausnahme bestätigt die Regel.“
Seit 2021 hatte Angela Merkel konsequent Einladungen zu den Bundesparteitagen 2022 und 2024 abgelehnt. Ihr „nachamtliches Verständnis“ sah vor, sich von der aktiven Tagespolitik fernzuhalten, um den Weg für neue Führungspersönlichkeiten freizumachen und keine Schattenkanzlerin zu sein. Diese konsequente Abwesenheit hatte sich als fester Bestandteil ihrer Post-Kanzlerschaft etabliert. Die nun erfolgte Zusage für den Parteitag in Stuttgart, bei dem sie bis einschließlich der Wahl des Parteivorsitzenden anwesend sein wird, sorgt daher für erhebliches Aufsehen und Spekulationen über die dahinterliegenden Beweggründe der ehemaligen Bundeskanzlerin.
Die Beweggründe für Merkels plötzliche Teilnahme bleiben vorerst unklar, auch ob sie das Wort ergreifen wird. Beobachter spekulieren über die Symbolik ihres Auftritts, insbesondere im Kontext eines herausfordernden Wahljahres und des Aufstiegs der AfD. Die Parteien der Mitte stehen vor der gemeinsamen Aufgabe, den Populismus einzudämmen. Der Parteitag in Stuttgart, der zwei Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg und Monate vor wichtigen Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stattfindet, wird stark vom Wahlkampf geprägt sein. Merkels Präsenz könnte als ein Signal der Geschlossenheit und Stärke der CDU interpretiert werden, möglicherweise auch als subtiler Appell an die Parteibasis.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist das Verhältnis zwischen Angela Merkel und dem aktuellen CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz. Seit Merz’ Wahl im Januar 2022 galt ihr Verhältnis als angespannt, die Union hat sich unter seiner Führung erkennbar von der Merkel-Ära abgewandt. Merz hatte ihr 2024 zu ihrem 70. Geburtstag den Wunsch geäußert, sie möge der CDU „gewogen bleiben“, den sie mit ihrem Kommen nun zumindest symbolisch erfüllt. Der Parteitag in Stuttgart wird zudem ein historisches Treffen der ehemaligen Parteivorsitzenden: Neben Merkel werden auch Armin Laschet als Delegierter und Annegret Kramp-Karrenbauer in doppelter Funktion (ehemalige Parteichefin und Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung) anwesend sein. Damit sind alle noch lebenden Parteivorsitzenden der CDU in Stuttgart vertreten, was dem Ereignis zusätzliche Bedeutung verleiht.

