Etwa 60 Jahre nach ihrer historischen Landung auf dem Mond, glauben Forscherteams in den USA und ein russischer Blogger, die Überreste der sowjetischen Mondsonde “Luna 9” gefunden zu haben. Die 1966 erfolgreich gelandete Kapsel, die nur 60 Zentimeter misst, galt lange als verschollen. Nun könnten hochauflösende Aufnahmen der indischen Sonde “Chandrayaan-2”, die im März eines der vermuteten Gebiete fotografieren soll, endgültige Klarheit schaffen. Zwei Haupttheorien stehen im Raum, doch die Experten sind sich über den genaue Ort noch uneinig. Die Jagd nach den kleinen Überresten auf der gigantischen Mondoberfläche gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen und fasziniert die Raumfahrtgemeinschaft weltweit.
Die Suche nach “Luna 9” wurde durch Aufnahmen des NASA “Lunar Reconnaissance Orbiter” (LROC) angefacht, der den Mond seit 2009 mit hoher Auflösung kartiert. Obwohl die LROC-Bilder für die winzige Sonde zu ungenau sind, nutzte der russische Journalist und Wissenschaftsblogger Vitaly Egorov Livedaten, um potenzielle Landepunkte zu identifizieren. Parallel dazu setzte ein Team des University College London ein KI-Programm ein, das LROC-Aufnahmen nach Kontrastmustern durchkämmte, die anderen bekannten technischen Überresten ähneln. Diese Gruppe stieß auf mehrere mögliche Landeplätze, nur wenige Kilometer von den seit den Sechzigerjahren vermuteten Koordinaten entfernt, die sogar ein helles Pixel und zwei dunkle Flecken zeigen, die von der Landefähre stammen könnten.
Der Leiter der Londoner Forschungsgruppe, Lewis Pinault, äußerte sich gegenüber der “New York Times” sehr optimistisch über die mögliche Entdeckung. Allerdings sind nicht alle Fachleute restlos überzeugt. Der kanadische Mondforscher Philip Stooke betonte, dass keiner der bisher identifizierten Fundorte einen endgültigen Beweis liefert, stufte jedoch die von Egorov vorgeschlagene Position als vielversprechender ein. Die endgültige Bestätigung hängt von zukünftigen Missionen ab. Neben “Chandrayaan-2” plant auch die “Elytra”-Sonde des privaten US-Unternehmens Firefly, die Region aus der Nähe zu erkunden und gezielt nach Spuren von “Luna 9” zu suchen.
Die erfolgreiche Lokalisierung von “Luna 9” wäre nicht nur ein Triumph der modernen Weltraumarchäologie, sondern könnte auch entscheidende Hinweise auf andere verloren geglaubte Weltraumartefakte liefern. Bis heute ist die genaue Position einiger Raumsonden, die sich vor den Apollo-Missionen im Jahr 1969 auf den Weg zum Mond machten, nicht eindeutig belegt. Diese Suche nach den Überresten früherer Mondmissionen ist von großer historischer Bedeutung und hilft, unser Verständnis der frühen Raumfahrtgeschichte zu vertiefen. Sie zeigt auch die stetig wachsende Präzision der modernen Mondkartierung und -erkundung.

