Die Meldung über einen 8,70 Euro teuren Cappuccino an einer österreichischen Raststätte hat jüngst für Aufsehen gesorgt und wirft die Frage auf, ob Kaffee in Europa zum Luxusgut wird. Während in Wien das Traditionsgetränk in Kaffeehäusern meist zwischen fünf und knapp sechs Euro kostet, werden anderswo in Europa teils zweistellige Preise verlangt. Steigende Löhne in der Gastronomie und hohe Mieten tragen wesentlich zu diesem Phänomen bei, was vielerorts bereits zu gesunkenen Pro-Kopf-Umsätzen führt.
In Dänemark gehört Kopenhagen zu den Städten mit den höchsten Kaffeepreisen in der EU, wo ein Cappuccino im Schnitt sechs Euro und in exklusiven Lagen bis zu acht Euro kostet. Dies spiegelt die generell hohen Lebensmittelpreise und eine Mehrwertsteuer von 25 Prozent wider, kompensiert durch ein durchschnittliches Monatsgehalt von knapp 6000 Euro. Auch in der Schweiz, speziell in Zürich und Genf, sind sieben Euro für einen Cappuccino keine Seltenheit. Ähnlich wie in Dänemark rechtfertigen hohe Einkommen – der Mindestlohn für Ungelernte liegt bei über 5000 Euro – die hohen Lebenshaltungskosten, einschließlich der Kaffeepreise in Edel-Kaffeehäusern oder Touristengebieten.
Ein starkes Preisgefälle zeigt sich in Frankreichs Hauptstadt Paris, wo die Spanne von zwei Euro am Bistrotresen bis über fünf Euro in touristischen Hotspots reicht, wobei Lokalmieten eine entscheidende Rolle spielen. Im Heimatland des Cappuccino, Italien, variieren die Preise ebenfalls extrem: In Rom ist die Tasse bereits ab 1,20 Euro erhältlich, kann aber in touristischen Gegenden um ein Vielfaches steigen. Hier spielt die Art des Konsums eine Rolle: Wer sitzt, zahlt mehr als wer im Stehen trinkt, während „Coffee to go“ in Italien wenig Akzeptanz findet. Ähnlich in Spanien, wo der günstigere „Cortado“ ab einem Euro zu haben ist, Cappuccino jedoch teurer sein kann, insbesondere in Nobelhotels oder Designer-Cafés.
In Athen liegen die Preise für einen Cappuccino im Zentrum zwischen 4,50 und sechs Euro, außerhalb der Touristenmeilen aber oft unter 2,50 Euro. Der griechische Mokka ist eine preiswertere Alternative. Auch in Istanbul ist der Cappuccino mit rund 4,50 Euro für Einheimische angesichts des geringen Mindestlohns von 560 Euro ein Luxus. In London zahlen Kaffeetrinker in Ketten etwa fünf Euro. Osteuropäische Städte wie Budapest, Warschau, Prag und Moskau zeigen ebenfalls steigende Preise, die teilweise doppelt so stark wie die Löhne anziehen. In Deutschland stieg der durchschnittliche Cappuccino-Preis von 2,24 Euro (2021) auf 3,14 Euro (2025), was die allgemeine Teuerung in der Gastronomie quer durch Europa unterstreicht.

