Die schweizerische Justiz hat die Ermittlungen im Zusammenhang mit der verheerenden Brandkatastrophe im Skiort Crans-Montana massiv ausgeweitet. Mehr als zwei Monate nach dem Brand, der in der Silvesternacht 41 Menschen das Leben kostete und 115 verletzte, hat die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis fünf weitere Verdächtige ins Visier genommen. Wie von den Nachrichtenagenturen AFP und Reuters übereinstimmend berichtet, gehört zu diesem Kreis nun auch der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud, dessen Rolle in der Tragödie verstärkt unter die Lupe genommen wird.
Neben Gemeindepräsident Féraud richten sich die neuen Ermittlungen auch gegen einen ehemaligen Gemeinderat, der für öffentliche Sicherheit zuständig war, einen früheren Brandschutzverantwortlichen sowie dessen Stellvertreter und ein Mitglied des aktuellen Teams für öffentliche Sicherheit. Die Brandkatastrophe ereignete sich in der Bar „Le Constellation“ und wurde den Ermittlern zufolge wahrscheinlich durch Feuerwerksfontänen ausgelöst, die an Flaschen befestigt und zu nahe an die mit Schaum verkleidete Decke gehalten wurden. Viele der Verletzten erlitten schwerste Verbrennungen und befinden sich weiterhin in stationärer Behandlung.
Bereits seit Wochen laufen Ermittlungen gegen die Betreiber der Bar „Le Constellation“ sowie gegen den ehemaligen und den aktuellen Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde Crans-Montana. Ihnen wird fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung vorgeworfen – dieselben Anklagepunkte, die nun auch den fünf neuen Verdächtigen zur Last gelegt werden. Die Gemeinde Crans-Montana hatte bereits eingeräumt, dass seit 2019 keine Brandschutzkontrollen in der Bar stattgefunden hatten, obwohl diese jährlich vorgeschrieben sind. Gemeindepräsident Féraud war zudem nach dem Brand wegen seiner als unsensibel empfundenen Kommunikation massiv in die Kritik geraten.
Die Ermittlungen sollen nun insbesondere klären, inwieweit die Eigentümer der Bar und die Verantwortlichen der Gemeinde gegen Sicherheitsvorschriften verstossen haben. Die tragische Brandkatastrophe rückt nicht nur die internen Abläufe in Crans-Montana, sondern auch die gesamte Region Wallis in ein schlechtes internationales Licht. Die lang bekannten Klischees über das Wallis – von Seilschaften bis Korruption – scheinen sich in der fragwürdigen Aufarbeitung der Ereignisse zu manifestieren und stellen die Reputation des “Wilden Westens der Schweiz” erneut auf den Prüfstand.
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