Ein rund zehn Meter langer Wal hat sich am Dienstagmittag vor der Ostseeküste bei Steinbeck im Landkreis Nordwestmecklenburg in einem Fischernetz verfangen. Eine aufmerksame Passantin entdeckte das festsitzende Tier gegen 14.30 Uhr und alarmierte umgehend die Behörden. Die Wasserschutzpolizei Wismar rückte daraufhin mit einem Streifenwagen und einem Boot aus, um die Situation vor Ort zu prüfen. Sie bestätigten, dass der Wal tatsächlich in dem Netz festhing, was einen sofortigen Einsatz zur Befreiung erforderlich machte.
Ein Fischer bemerkte wenig später, dass es sich um sein Eigentum handelte und begann damit, das Netz einzuholen. Im Zuge dieser Maßnahme wurde das Netz bewusst durchtrennt, was dem Wal ermöglichte, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien und seewärts zu schwimmen. Das Polizeiboot „Hoben“ begleitete das Meerestier daraufhin für etwa 35 Minuten. Die Beamten beobachteten während dieser Zeit, dass der Wal zügig schwamm und wiederholt für längere Perioden tauchte, was auf eine stabile Verfassung nach der Befreiung hindeutete. Dies war ein entscheidender Moment, der Hoffnung auf die vollständige Erholung des Tieres gab.
Allerdings stellten die Einsatzkräfte fest, dass sich eine Leine noch immer um den Körper des Wales verfangen hatte. Die Behörden äußerten den Verdacht, dass es sich um denselben Wal handeln könnte, der bereits am 3. März im Hafenbereich von Wismar gesichtet wurde. Es wird vermutet, dass sich die Leine möglicherweise schon vor mehreren Tagen an dem Tier verfangen haben könnte, was die Situation komplexer macht. Zur Koordination weiterer Maßnahmen und zur Beobachtung des Wales wurden Experten des Meereskundemuseums Stralsund, der Verkehrszentrale Travemünde sowie die Besatzung des Umweltschutzschiffs „Triton“ von Sea Shepherd eingebunden. Eine akute Gefährdung der Schifffahrt besteht derzeit glücklicherweise nicht.
Der Vorfall unterstreicht die zunehmende Präsenz von Walen in der Ostsee, ein Zeichen dafür, dass sich viele Populationen nach jahrzehntelanger Verfolgung durch den Walfang langsam wieder erholen. Diese Erholung führt nicht nur zu mehr Tieren in den Meeren, sondern verändert offenbar auch ihr Verhalten. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass mit der Erholung der Populationen beispielsweise ältere Wal-Männchen wieder vermehrt Gesänge anstimmen. Solche Begegnungen wie vor Steinbeck bieten wertvolle Einblicke in das Leben dieser majestätischen Meerestiere und mahnen gleichzeitig zur Achtsamkeit im menschlichen Umgang mit ihrem Lebensraum.
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